john neumeier: einspruch, herr putin!
Es gibt Missstände, die den Tanz mittelbar ins Mark treffen, und trotzdem herrscht flächendeckend: Schweigen im Wald. Wenn irgendwo der Zaster fehlt, die Sparte unter Beschuss gerät – stehen die Tanzschaffenden garantiert auf der Matte. Dann geht es ja ums hehre Ziel: die Freiheit, die Autonomie, den Reichtum der Kunst! Ganz anders sieht die Sache aus, sobald Skandale hochkochen, die eine politische Antwort erfordern – politisch im Sinn einer öffentlichen Positionierung.
Haben etwa die deutschen Tanz-Hochschulen und -Internate reagiert, als die Serie von Missbrauchsfällen – von der Odenwaldschule bis zum katholischen Canisius-Kolleg – ruchbar wurde? Haben sie erklärt: Wir verfügen über eine Präventionsagenda, ein Krisenmanagement, Ombudsmänner und -frauen? Haben sie Problembewusstsein erkennen lassen, da sie doch regelhaft mit minderjährigen Schutzbefohlenen arbeiten, ja ganz dezidiert: mit deren Körpern? Die gedankliche Transferleistung, dass das Missbrauchsthema auch für die Tanzausbildung Fragen aufwirft, ist scheinbar zu viel verlangt – obwohl der Zusammenhang geradezu auf der Hand liegt.
Ein anderes, nicht minder erschreckendes Szenario spielt sich derzeit in Russland ab, und ...
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Tanz November 2013
Rubrik: menschen, Seite 32
von Dorion Weickmann
Mit Begeisterung werfen sie sich auf die Schaumstoffmatten, als hinge ihr Leben davon ab. Zehn Tänzer in sportlicher Kleidung springen, dehnen und trainieren in «The Stages of Staging» von Alexandra Bachzetsis, was die Muskeln und die Stretchbänder hergeben. In der Reithalle der Basler Kaserne meint man den Geruch einer Muckibude wahrzunehmen. Was aussieht wie die...
screening_________
le corsaire
120 Tänzer auf der Bühne, aufgeboten für eine Liebes-Saga mit Piraten-Flair, arrangiert von keinem Geringeren als Alexei Ratmansky (im Schulterschluss mit Yuri Burlaka): 2007 feierte diese «Corsaire»-Inszenierung im Namen des Bolshoi Premiere, wiewohl das Stammhaus damals wegen der millionenschweren Restaurierung geschlossen war. Dem...
Sie sind die drittgrößte Kompanie in den Niederlanden und wahrscheinlich die stabilste angesichts der rasch aufeinander folgenden Budgetkürzungen, die holländische Tanzkompanien in den letzten acht Jahren hinnehmen mussten. Introdans aus Arnheim hat all diese Einschnitte – offenkundig nahezu unbeschadet – überlebt. Woher diese Widerstandsfähigkeit? Zum Großteil...
