Jochen Heckmann: «Giselle»
Von der Mondlichtung ins Irrenhaus in den Puff: Vor 23 Jahren landete der schwedische Choreograf Mats Ek einen donnernden Coup mit seiner wundersam-hässlichen Giselle. Seither hat, was merkwürdig ist, keiner mehr versucht, das romantische Ballett an der Gegenwart zu messen. Bis nun Jochen Heckmann, seit 1999 Ballettchef in Augsburg, auf die Idee kam, die Klassengegensätze des Originals (Prinz beginnt Affäre mit Landmädchen) dahingehend zu aktualisieren, dass sich nunmehr ein libertinärer Städter in ein nicht weiter definiertes Arbeitersuburbia verirrt.
Der fiese Proll Hilarion verschleppt Giselle in den Puff, wo nunmehr der zweite Akt spielt anstatt auf der mondbeschienenen Waldlichtung des Originals. Es folgen Giselles Vergewaltigung und ihr finaler Todessturz.
Heckmanns an sich und in sich durchaus einfallsreiches Modern-Dance-Idiom macht allerdings Arm und Reich, also alle, gleich. Und zum Fallstrick wird ihm die Originalmusik von Adolphe Adam, denn zwischen Industrieschloten zwitschert kein Naturidyll, und im Puff wird vieles, nur nicht waidmännisch zum Halali geblasen.
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