Jecke Schneisen

Der Kölner «City Dance» ist der bessere Karneval.

Tanz - Logo

«City Dance Köln» durchquert die Stadt. Menschen kommen von den Ortsrändern her über den Fluss, ziehen durch Straßen und Parks, betanzen ungewohnte Orte. «City Dance Köln», das war vergangenen Spätsommer ein Projekt der Kölner Choreografin Stephanie Thiersch. Es stiftete spontanes Miteinander zwischen Passanten und Tänzern. Es lud dazu ein, sich die städtische Umgebung, auch den krisenbehafteten Bahnhofsvorplatz, neu anzueignen: in Form eines Community-Projekts, über Monate hinweg von über 600 Bürgern und Bürgerinnen vorbereitet.

Die Menschen gaben sich selbst eine Bühne, auf der unterschiedlichste Gruppen einander begegneten: professionelle und nicht-professionelle Tänzer, Musiker, Schüler, Senioren, Migranten und zufällige Teilnehmer. In Anlehnung an die legendären «City Dances», die Anna Halprin in den 1970er-Jahren als Antidot zu Rassenunruhen und Homophobie in San Francisco organisierte, erkundete man in der Kölner Innenstadt das Potenzial gemeinschaftlicher Bewegung. Dabei ging es nicht um Tanz als vereinheitlichende, verbindende Kraft, sondern um individuelle Vielfalt, um Eigenheit – um Tanz als Praxis der Auseinandersetzung im und um den öffentlichen Raum.

Gern hätten die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2017
Rubrik: Bewegung, Seite 6
von Kirsten Maar

Weitere Beiträge
La Ribot «Another distinguée» in Madrid

Eins muss man ihr lassen. 23 Jahre blieb sich die in Genf lebende Spanierin selber treu. Sie macht, was sie immer tat, auch wenn eine in den 1990er-Jahren geborene Zuschauerin genervt ausruft: «Das ist ja so was von Neunziger!». La Ribot mit feuerroten Locken und der Konzentration einer Zirkusdompteurin ist bekannt für ihre «distinguierten Stücke», kleine Aktionen,...

Bosse in Bewegung

Porsche steckt Geld ins Stuttgarter Ballett, die Stiftung der Reederei Hapag Lloyd fördert das Hamburg Ballett, die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau unterstützt die Festwoche des Thüringer Staatsballetts, eine Sparkassenstiftung hält das Kölner Tanzarchiv am Leben – das sind nur ein paar Beispiele für Sponsorenmodelle, mit denen die Wirtschaft Teilen der Tanzszene...

Fleischlos Glücklich

Alles begann mit einem Aha-Erlebnis auf der Wohnzimmercouch – mit einem déclic, wie Sylvie Guillem es auf Französisch ausdrückt: «Ich saß zu Hause vor dem Fernseher, und plötzlich machte es klick. Es lief eine Doku über Paul Watson und die freiwilligen Mitarbeiter der von ihm ins Leben gerufenen Sea Shepherd Conservation Society, die sich gegen die Ausbeutung der...