Léo Maindron als Hexe; Foto: Rupert Larl
Innbruck: Enrique Gasa Valga «Macbeth»
«Macbeth» in ein Ballett zu verwandeln, hat genau einen großen Vorteil: die extreme Präsenz der Körperlichkeit, die Zustände wie Rausch, Raserei und Wahnsinn formulieren und beinahe unmittelbar auf das Publikum übertragen kann. Alles andere ist nicht mehr Shakespeare. Der Mut zur Lücke setzt auf bildungsbürgerliches Hintergrundwissen. Die eineinhalbstündige Adaption von Enrique Gasa Valga am Tiroler Landestheater konzentriert sich in entsprechend knappen, schnell erzählten und schnell getanzten Szenen auf die wesentlichen Schlüsselmomente und auf Gefühle.
Durch Bühne und Kostüm wird gleich klar, dass aller historischer Klimbim nicht von Interesse ist und nur als stilisierte Referenz in Erscheinung tritt – wir befinden uns im Hier und Heute. Das Corps de ballet ist eine junge, apathische Adelsgesellschaft, die einer unterkühlten Fashion- und Partyszene gleicht. Macbeth wirkt darin wie der egozentrische Rockstar, der ein paar Lines zu viel gezogen hat. Klassisches Bewegungsvokabular wäre hier fehl am Platz. Valga riskiert eine wilde Mischung der Tanz- und Musikstile.
Von schottischen Volkstanzelementen über Tango und Streetdance bis zur großartigen Bankettszene, in der ...
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Tanz Dezember 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Carmen Kovacs
Was für ein Name, was für ein Tänzer: Calvin Royal III, 29 Jahre alt, ist so groß, elastisch und elegant wie ein olympischer Sprinter. Zugleich besitzt er eine vornehm aristokratische Attitüde, die ihn zum Danseur noble adelt – obwohl seine Erscheinung den Rahmen der Tradition unübersehbar sprengt. Calvin Royal III, seit 2011 Mitglied des American Ballet Theatre...
Das Beste kommt mitunter zum Schluss – so auch bei Simone Sandronis «Romeo und Julia». Von Verzweiflung getrieben, jagt Noriko Nishidate über die Bühne, auf die sich minutenlang strömender Regen ergossen hat. Wie besessen durchpflügt die Tänzerin die riesige Wasserlache, vollführt waghalsige Sprünge und Drehungen auf dem rutschigen Untergrund, bis sie schließlich...
Den Versuch war es wert, auch wenn der Tanz auf der Strecke blieb: Auf der imposanten Bühne des neuen Linzer Musiktheaters sucht Mei Hong Lin in der Uraufführung «Music for a while» einen Weg, den Tanzabend sinnfällig gemeinsam mit einer Partnerin im Orchestergraben zu bestreiten. Die Tanztheaterchefin steht für klar abgezirkelte choreografische Bilder. Meist lässt...
