In der Tanzhölle

«Giselle» in St. Gallen

Tanz - Logo

Ortega Fernandez tanzt als Giselle unangreifbar heiter mit der Anmut des Naturkinds. Diese Zutraulichkeit hat ihren Preis: Sie verliebt sich in ihren Unterdrücker. Der Herzog bändelt in St. Gallen incognito zwischen gefüllten Wäschekörben mit dem Mädchen an. So erzählt Philipp Eglis «Giselle» von modernen Arbeitssklaven und skrupellosen, sciencefictionartig gekleideten Machthabern.
Seine Giselle gehört zu einer Gruppe von Wäscherinnen, die in einem fens­terlosen Keller schmutzige Wäsche sortieren und waschen, die unaufhörlich durch eine Luke auf sie herunterfällt.

Die Belegschaft ist eine gebeugte graue Masse, die ab und zu aufbegehrt. Nur Giselle hat sich einen Rest Individualität bewahrt und versucht, mit ihren eigenwilligen Hüftschwüngen und Hüpfern aus dem Sys­tem auszubrechen.
Die Ursache für das Unglück seiner Heldin ist für Egli der Klassenunterschied. Als Giselle von der wahren Identität des Herzogs erfährt, wählt sie den Tod als Weg in die Freiheit. Das ungelebte Leben entlädt sich spukhaft im zweiten Teil am Meeresufer. Als Wilis machen Giselle und ihre Gefährten Jagd auf die Herrschenden und tanzen sie auf der Uferpromenade zu Tode. Wie eine Welle von Leibern werfen sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2006
Rubrik: on stage, Seite 41
von Martina Wohlthat

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Opfer Ballett

Den Letzten beißen die Hunde. Nicht so in Chemnitz. Erst fällt einer nach dem anderen in den Orchestergraben, bevor sich am Ende die Erde öffnet und den einzigen Überlebenden, Marko Bullack, verschlingt. Noch hat Strawin­skys «Sacre» das Sagen, und Steffan Claußner, als Dirigent eines imaginären Orchesters scheinbar auf verlorenem Posten, greift sich beim...

Joséphine Baker

Joséphine Baker zählt zu den populärsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr legendärer Bananen-Gürtel schrieb Theatergeschichte, ihr Chanson «J’ai deux amours» wurde zum Evergreen und zur Baker-Hymne. Sie war die Königin des Charleston der goldenen Zwanziger Jahre, die Diva der Folies-Bergère und des Casino de Paris. Und sie war die Mutter der...

the man and the bridge

Canadian dance maker Paul-André Fortier and Newcastle’s Dance City chose the Gateshead Millennium Bridge – a movable footbridge across the River Tyne, whose unique design allows tall ships to pass underneath by raising the footpath – to showcase the world premiere of “Solo 30x30.“ The live site-specific performance took place at 1 PM for 30 minutes and 30 days....