hofesh shechter
nimmt den Tanz ernst. Er ist bei ihm keine Deko. Kein Kunsthandwerk, geflochten aus attraktiven Körpern. Seine Stücke sind meist heiß, in manchen Momenten kalt, nie lau. Sie überwältigen, sie wüten, sie rocken, aber nicht auf Art einer Unterhaltungsshow. Man spürt Leidenschaft in ihnen, aber in den jüngeren doch auch eine feine, kluge Ironie.
Allemal verzichtet Shechter nicht auf Relevanz, um sich einem Publikum anzudienen (und er beschimpft dieses auch schon mal, siehe «Sun»).
Er hat Anliegen, er nimmt einen Standpunkt ein – stets auch einen ästhetischen, denn er arbeitet von der einzelnen Bewegung, von jedem Bewegungsdetail aus. Er gehört zu den raren Choreografen, die es verstehen, den Ausdruck der Körper der jeweiligen Situation, Stimmung, dem jeweiligen Thema anzupassen. Wie ein Tänzer auf die Bühne kommt, wie er den Rücken beugt, die Arme hebt, den Fuß streckt (oder eher: nicht streckt), das ist in den Choreografien Shechters mit dem Wunsch verbunden, dass es uns, den Zuschauern, etwas mitteilen, etwas bedeuten möge. Das funktioniert sicher nicht immer, wie könnte es das, aber doch so oft, dass man versteht, was diese Menschen bewegt.
Der in London lebende, inzwischen an ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 178
von Sylvia Staude
Nicki Lisztas Tanz tut weh. Im ganz realen Sinne, ihre Tänzer und Darsteller werfen sich auf den Steinboden, knallen gegen Wände, hangeln über Glasscherben. In Stuttgart, wo die freie Szene trotz geduldigen Päppelns durch die Stadt regelmäßig neben Ballettkompanie und Gauthier Dance untergeht, setzt die Choreografin abseits der gewohnten Off-Locations einen echten...
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