Hamburg: Robert Wilson «Mary said what she said»
Seit er 1976 mit «Einstein on the Beach» eine choreografische Oper schuf, in der Lucinda Childs als Tänzerin auftrumpfte, gilt Robert Wilson als Avantgardist und Revolutionär des Schauspiels. Die Aura, die den 77-Jährigen umgibt, gleicht der einer Pina Bausch oder eines Maurice Béjart. Dabei hat sich Wilsons Stil seit Jahrzehnten kaum verändert: Seine gestochen scharfen, kalten Bilder bleiben ein Abbild der 1980er-Jahre.
Trotzdem: Ein neues Werk des Texaners, der sich in Deutschland 1990 mit der Uraufführung von «The Black Rider» am Hamburger Thalia Theater unsterblich machte, ist immer ein Ereignis. Einerseits, weil er seinen Stil zu absoluter Perfektion entwickelt hat. Andererseits, weil er garantiert einen oder mehrere Weltstars inszeniert. In «Letter to a Man» (2015) war das der Starballerino Mikhail Baryshnikov in der Rolle von Vaslav Nijinsky. Nun ist Isabelle Huppert an der Reihe, als Maria Stuart in «Mary Said What She Said» von Darryl Pinckney. Der Autor zeichnet die Situation so präzise wie Wilson die Silhouetten seiner Protagonisten: Maria Stuart muss sterben. Am nächsten Tag. Doch bevor sie für immer schweigt, ergießt sich ein Wortschwall über ihre Gegenspieler, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2019
Rubrik: Kritik, Seite 40
von Thomas Hahn
Carsten Jung entschuldigt sich: Er müsse sein Handy während des Gesprächs anlassen, es könne sein, dass die Arbeitsagentur anrufe. Der Tänzer hat sich arbeitssuchend gemeldet, weswegen er ständig erreichbar sein muss. Prosaischer kann ein Interview nicht beginnen, symbolträchtiger allerdings auch nicht: Jung ist nicht irgendwer, sondern Erster Solist an John...
Wer kennt schon Václav Reisinger? Im Zusammenhang mit seiner «Schwanensee»-Einstudierung tut das Prager Nationaltheater deshalb gut daran, im Programmheft wie auch mit einer Ausstellung an den tschechischen Choreografen zu erinnern. Schließlich war er es, dem der angebliche Misserfolg der Moskauer «Schwanensee»-Uraufführung 1877 angelastet wird: angeblich, weil die...
Hellerau: Appia Stage Reloaded
Das Festspielhaus Hellerau öffnet nicht nur am Tag des offenen Denkmals seine Pforten. Am 8. September kann man dort auch auf der (2017 unter dem Ex-Leiter Dieter Jaenicke) rekonstruierten Bühne Adolphe Appias eine «Blaue Stunde» erleben, bevor Cindy Hammer, Joseph Hernandez, Johanna Roggan und Anna Till mit «tension, break, pattern,...
