Gewalt & Leidenschaft

in Halle

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Zart schreitet Blanche unter ihrem Florentiner Hut am Arm des Arztes entlang der Bühnenrampe aus dem Haus Kowalski, das ihr so vulgär erscheint. Entzweit mit sich selbst: zwischen dem Triumph, von einem feschen Mann fortgeleitet zu werden, und der Ungewiss­heit, wohin er sie führt. Unstet ihre Augen, fahrig die Hände. Stanley winkt der Verstoßenen eine Spur zu infam nach, Mitch trauert um seinen entschwindenden Lebenstraum.


Mit diesem Bild, schärfer noch als in Tennessee Williams’ Drama, lässt Ralf Rossa nach neunzig durchtanzten Minuten seine «Endstation Sehnsucht» schließen. Nach Neumeiers Version 1983 für Stuttgart, mit Haydée und Cragun zu Musik von Schnittke und Prokofjew, nun die Hallenser Fassung. Rossa gliedert sie in 19 atmosphärische Szenen, die zwischen der düster armseligen Bleibe der Kowalskis und Rückblenden an den Herrensitz der Du Bois pendeln.
Dort, in Belle Rêve, walzen vornehme Ballpaare auf der Hochzeit von Blanche und Allan: im grünen Salon mit Empore, zu der Treppen mit goldenen Ziergeländern hinaufführen. Drei orange geflammte Fenster machen Heinz Balthes’ eleganten Bühnenentwurf so komplett, wie es Blanches Glück inmitten der fliegenden Hebetransporte ...

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Tanz Juli 2006
Rubrik: on stage, Seite 40
von Volkmar Draeger

Vergriffen
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