Freiheit
Freiheit ist ein Wort, das in diesem Heft recht häufig fällt. Freiheiten, die sich der verstorbene Maurice Béjart gestattete und eine unabhängige Kompanie führte. Freiheiten, die Merce Cunningham weiterhin genießt, um den Tanz so zu erfinden, wie die Welt für ihn gerade tickt. Freiheiten, die sich Rudolf Nureyev herausnahm, wenn Luigi Pinotti, sein Physiotherapeut und enger Vertrauter, erzählt:
«1976 waren wir bei der Fürstin Gracia Patricia in Monte Carlo zum Abendessen eingeladen. Alain Delon und Yves Montand waren auch gekommen, mit dem Unterschied, dass sie pünktlich waren.
Rudolf und ich kamen mehr als eine Stunde zu spät. Als Rudolf Platz genommen hatte und bei der Vorspeise seinen Hut noch immer auf dem Kopf trug, gab die Fürstin dem Diener ein Zeichen, er möge dem Herrn Nureyev doch den Hut abnehmen. Ich werde nie vergessen, was Rudolf daraufhin sagte: ‘Wenn mein Hut gehen muss, gehe ich mit ihm.’ Den Hut ließ er dann den ganzen Abend auf.»
Es sind Freiheiten, nein: Es ist eine Haltung, die jeder Tänzer in den ersten Ballettstunden lernt: einen geraden Rücken gegen die Gebücktheit der Welt. Die Glanzzeit der Freiheit waren – auch – die 1970er Jahre. Maurice Béjart ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! / Und falsch heiße uns jede Wahrheit, bei der es nicht Ein Gelächter gab!»
Maurice Béjart stellte seinen Memoiren «Einen Augenblick in der Haut eines anderen» einen Satz aus Friedrich Nietzsches «Also sprach Zarathustra» als Lebensmotto voran. Es wäre weit gefehlt, ihn deshalb als Nietzscheaner zu...
Was Edwin Revazov als Solist für Hamburg ist, ist sein «kleiner» Bruder Yann in Halle. Neben dem lang gedienten Erbprinzen Michal Sedlácek entwickelte ihn Ballettchef Ralf Rossa zur zweiten Leitfigur seiner Kompanie seit dessen markantem Debüt in «Schlafes Bruder» 2003. Den neuen Zweiteiler des Ballett Rossa hat der Choreograf wieder deutlich auf diese beiden...
Alles beginnt mit einer jener Szenen, für die Heinz Spoerli berühmt ist: Leichtfüßige Ballettmädchen in duftigen weißen Kleidern umschweben mit ihrem Opernbühnenlächeln den blonden Jüngling, der das Glück hat, an diesem Abend die Hauptrolle zu tanzen.
Das wird kein Mozart’sches Singspiel, sondern ein Drama des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Es heißt «Peer Gynt», und...
