Freiheit
Wenn die Körperspannung nachlässt, tiefes Durchatmen einsetzt, der Blick alles, was hinter dem Horizont sein mag, zu durchdringen scheint, Wärme im Körper aufsteigt, wenn sich die Kiefermuskeln entspannen und das eigene Lächeln sachte spürbar wird … Das ist es, was ich intuitiv mit «frei sein» verbinde.
Freiheit geschieht. Nach einer langen Steigung beim Wandern, wenn einem eine Last von den Schultern fällt, oder – ohne Berg und Last – wenn man sich frei tanzt.
Doch wie viele widmen ihr Leben dem Tanz aus dem Impuls heraus, frei zu sein? Sie zahlen dafür, wie alle anderen Künstler auch, einen Tribut, der oft fälschlicherweise als Selbstausbeutung bezeichnet wird.
Das Wort Freiheit weckt Sehnsucht. Es gibt den Spruch: Frei sein wie ein Vogel. Aber ein Vogel ist wahrscheinlich nicht freier als wir. Er kann nur fliegen, was für den Vogel normal ist. Sein Tribut: Er muss dafür täglich oft das Doppelte an Eigengewicht als Nahrung zu sich nehmen. Sonst verhungert er. Dann ist es mit dem Fliegen vorbei.
Der Choreograf muss ebenfalls essen und Miete zahlen, und wer nicht im institutionellen Theaterbetrieb landet, hat die Möglichkeit, durch viel Initiative ein Einkommen aus verschiedenen ...
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Tanz Oktober 2016
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von David Brandstätter
Ende letzter Spielzeit haben Sie in Stuttgart für Gauthier Dance ein abendfüllendes Nijinsky-Ballett erarbeitet. Und auch in der neuen Spielzeit beschäftigen Sie sich nicht eben zufällig wieder mit Ballettgeschichte: Sie choreografieren Strawinskys «Petruschka» für das Ballett Zürich. Wie kommt es zu dieser Auseinandersetzung mit der Vergangenheit? Wurde das von...
Eine Mischung aus perversem Interesse an gestörtem Verhalten und Empathie mit den Betroffenen sei es gewesen, die ihn als Heilpädagogen faszinierte, gab Alain Platel einmal im Gespräch mit der Dramaturgin Renate Klett zu Protokoll. In den mehr als 30 Jahren seines Choreografen-Daseins haben sich die Anteile bei dem Menschenversteher aus Gent allerdings verschoben:...
In den Augen Schalk, unterzeichnet von großen schwarzen Dreiecken, nach unten zeigend, dorthin wo die Melancholie sitzt. Darüber die Brauen so dunkel und dick, als müssten sie festhalten, was nach unten zieht. Und ein Mund, freundlich, riesig, aber stumm. Wir sind mit diesem Gesicht aufgewachsen. Dimitri war für uns der Clown schlechthin – und zugleich die...
