fotografie: rebecca hoppé
Vor hundert Jahren belichtete ihr Großvater Emil Otto Hoppé für seine «Studies from the Russian Ballet» unter anderem die berühmten Porträts von Waslaw Nijinsky. Seine Enkelin tanzte erst an der Schule des Hamburg Balletts, dann trat sie in seine Fußstapfen. Der schlichte Bildbandtitel «Ballett» erzeugt eine merkwürdige Spannung – zwischen Großvater und Enkelin in einer Zeit, als John Neumeier etwa sein Ballett «Nijinsky» erarbeitete und Rebecca Hoppé erlaubte, seine Tänzer in ähnlichen Studien zu verewigen.
Außergewöhnlich gelungen sind ihr insbesondere die Fotoserien, die den Akt des Porträtierens selbst wie einen Tanz erscheinen lassen. Da knickt der Körper Otto Bubeníceks im Stampfschritt ein, gleich daneben sind seine beiden Hände zu einer Faust geformt – Sébastien Till springt in der Hocke. Und in Nahaufnahme bildet seine Hand neben dem Sprungfuß die Essenz genau dieser Bewegung – Catherine Dumont tanzt die zerbrechliche Eleganz einer Ballerina, eine Seite weiter ist das Geheimnis dieser Schönheit in einen weichen Pas de deux ihrer Hände gegossen. Der pointierte Blick von Rebecca Hoppé macht dieses Buch zu weit mehr als einem von Heather Jurgensen eingeleiteten Fanbuch für ...
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Ab 1913 verlagerte Rudolf von Laban seine Suche nach einer neuen, «natürlichen» Form von Bewegung in die Schweiz, auf den Monte Verità in Ascona und nach Zürich, wo er eine eigene Schule gründete. Nach dem Ersten Weltkrieg, nach Labans Rückkehr nach Deutschland, nannte man die Bewegung Ausdruckstanz. Trotz Labans Schweizer Jahre, trotz Émile Jaques-Dalcrozes...
«Der Boxer tanzt, er weiß es nur nicht», glaubt Mourad Merzouki. Er schwang früher selbst die unförmigen Handschuhe, als er in der Banlieue von Lyon so ziemlich alles ausprobierte, was man mit einem jugendlichen Körper anstellen kann. Bis er über den Zirkus beim Hip-Hop landete. Heute trägt er Halbglatze und leitet das Centre Chorégraphique National in Créteil....
In den Armen eines Zuschauers – sie hatte ihn zu sich gebeten – raucht Katarina Stegnar röchelnd «Pina Bauschs letzte Zigarette». Makaber, denkt man. Geschmacklos, wüsste man nicht, dass das slowenische Performancekollektiv Via Negativa seine Ikonen immer schon etwas früher sterben ließ, lange vor dem Tod der Tanztheaterlegende. Neben Bausch nahmen bereits der...
