Forever young
Es ist ein gutes Zeichen und ein schlechtes. Der zeitgenössische Tanz entwickelt Geschichtsbewusstsein und bemüht sich nun ebenfalls, das eine oder andere Werk als «Klassiker» ins Repertoire zu vermitteln. Was dem Ballett recht ist, darf ihm billig sein. Doch Hinwendung zur Vergangenheit bedeutet auch ein wenig Zweifel an der Zukunft. Denn es geht nicht recht vorwärts im Tanz. Schauen wir darum zurück?
Das Wörterbuch nennt zu Überlieferung «überlieferte Sitten, Gebräuche, Formen». Was auf ein traditionelles, hierarchisches System verweist.
Der Meister und sein Schüler. Im indischen Modell etwa ist der Guru ein Lehrer in der Kunst der Existenz. Was bereits weit über die Körpertechnik hinausreicht. Wie einst bei Maureen Fleming, die, um sich seine Weisheit einzuverleiben, Kazuo Ohno fütterte, weil der Meister etwas schwächlich war. So brüderlich und schwesterlich geschieht hier Überliefern, wenn der ursprüngliche Interpret und/oder Choreograf entscheidet, dass es an der Zeit ist. Dann sucht er sich den Erben, le dépositaire, den Empfänger.
Und geht ins Studio. Der Wunsch, das Begehren, die Initiative gehen vom «Meister» aus. Der titulaire, der rechtmäßige Inhaber des Stücks kann, ...
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Hat sie den Werner Schwab gelesen, den Franz-Xaver Kroetz oder beide? Die Szene könnte aus deren Theater stammen. Regungslos liegt Saskia Hölbling vor dem flimmernden Bildschirm. Vorn steht eine Zinkwanne, dazu ein Eimer und Handtücher, gestapelt. Rote Fäden durchkreuzen und begrenzen den Raum. Aus den Lautsprechern ertönt ein Walzer. Die Frau erwacht zu Leben,...
«Sieht doch immer gleich aus», lautet eine häufig gehörte Meinung zu Indiens Tanzstilen, von Kathakali mal abgesehen. Dagegen gibt es jetzt ein Rezept. Wir wissen nicht was der Augenarzt empfiehlt, aber wir empfehlen eine Eintrittskarte für «Samanvaya». Da beweisen Alarmel Valli und Madhavi Mudgal, dass Odissi und Bharata Natyam so trennend miteinander verbunden...
New York ist ein verlassener Fleck Erde. Verlassen von den logischen Prinzipien.
Ein freischaffender Choreograf in New York zu sein, ist eine eingeschränkte Selbstmorderklärung. In einer Stadt mit dieser unheimlichen Choreografendichte und unzähligen erschwerenden Umständen mutiert man selbst täglich zu einer Problembewältigungsmaschine. Einerseits. Andrerseits...
