Flugscham
Wir fliegen nicht mehr. Keiner soll mehr fliegen. Nach dem Künstler und Choreografen Tino Sehgal hat dies nun auch der französische Leitwolf unter den Tanzmachern so beschlossen: Jérôme Bel. Alle geloben, nur noch Zug zu fahren. Das schont die Umwelt. Findet wahrscheinlich auch Sasha Waltz, hält sich aber nicht dran. Sie flog samt ihrer Kompanie gerade zu einem Gastspiel nach Istanbul. Ging nicht anders. Der klassische Orient-Express existiert nicht mehr.
Ansonsten aber gibt sich die Bahn alle Mühe, mit ihrem jüngsten Slogan unser Lebensgefühl mehr als perfekt zu treffen: «Innen Ruhe, Außen 200». Gemeint ist der ICE, aber auch Europa. Hier herrscht innen: Ruhe. Was draußen passiert, ist weit weg und entwickelt sich rasend schnell, siehe China, ein Reich, das vernünftigerweise nur unter Zuhilfenahme von Kerosinschleudern erreichbar ist. Aber mal im Ernst: Brauchen wir dieses Draußen überhaupt? Wir haben doch Internet und die Medien. Wir lieben ressourcenschonendes Second Hand genauso wie die Zweite-Hand-Information aus der Algorithmen-Schleuder einer Handvoll von Medienkonzernen. Was die uns zu unser aller Beunruhigung darbieten – Klimawandel, Krieg und Erdbeben – sorgt schon heute ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Arnd Wesemann
Die Götter sind unter uns. Wie der Actionheld eines Blockbusters wirft Herkules die Gestalten der Unterwelt von ihren langen Stelzenarmen und -beinen, auf denen sie in der Bayerischen Staatsoper in spindeldürrer Schwärze einherschreiten. Erst danach führt Apoll im strahlend weißen Kaftan das Paar wieder zusammen, das er zuvor bis über die Grenze des menschlich...
Deutschland
Berlin
Admiralspalast
«CHICAGO – The Musical». 3.–13. Juli;
www.admiralspalast.theater
Akademie der Künste, Hanseatenweg
«Was der Körper erinnert. Zur Aktualität des Tanzerbes», Ausstellung, Aufführungen, Workshops, diskursives Programm und Campus. 24. Aug. – 21. Sept.;
www.adk.de
Anhalterbahnhof Premiere
«Fremdgehen: Demonstrationsgebiet 4»,...
Ein Tanz-Tableau wie von Oskar Schlemmer. In «Patterns in ¾» verortet Edward Clug seine Tänzer so im Raum, als handelte es sich um eine erste Bühnenprobe des «Triadischen Balletts», das 1922 genau an dieser Stelle uraufgeführt worden ist. Noch kommt keins der berühmten Kostüme zum Einsatz, die gegenüber vom Theater, in der Staatsgalerie Stuttgart, aufbewahrt...
