Fabian Chyle: «Ich nicht ich»

in Stuttgart

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Immer ich. Überall ich. Alles ich. Jemand redet in der ersten Person singular wie ein Geständnis, eine «Selbstbezichtigung». Nichts davon ist persönlich oder zeugt vom wahren Leben. Es sind Stellvertretersätze. Das «Ich» könnte jeder sein, also auch «nicht ich». Das Sprache-Sein schiebt sich wie ein glitzernder Schleier vor das Bezeichnete. Dem Denken, Spielen, Sagen sieht man beim geschickten Schlenkern zu und meint  darunter doch noch ein melancholisches, wütendes Ich zu beobachten, befangen, gefangen.

Peter Handkes Stück «Selbstbezichtigung» ist ähnlich wie seine berühmte «Publikumsbeschimpfung». Bei deren Uraufführung durch Claus Peymann im Frankfurter Theater am Turm stopften sich drei Schauspieler ein paar Sätze lang in den Souffleurkasten. Witziger Effekt. Diese Idee scheint der Stuttgarter Choreograf Fabian Chyle aufgegriffen zu haben. «Ich nicht Ich», bezieht sich auf «Selbstbezichtigung». Aber das ist schwer zu erkennen, denn die Sprach-Jonglage fehlt. Statt «Ich bin auf die Welt gekommen. Ich bin geworden. Ich bin gezeugt worden», beginnt die Rede auf Primitiv-Englisch mit «I walk, I betray, I love, I travel» und kommt nicht viel weiter. Also muss sich das Ding mit ...

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Tanz März 2010
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Melanie Suchy

Vergriffen
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