essen: die odyssee
Ihre Lebenslagen könnten kaum unterschiedlicher sein: Er irrt durchs Mittelmeer, sie dagegen harrt aus im heimischen Ithaka. Trotzdem haben beide das gleiche Problem: Sie sind die schärfsten Alphatierchen ihrer Gesellschaften und fast außerstande, sich gegen das Begehren der anderen zu wehren. Aber genau darauf kommt es an, jedenfalls wenn sich Choreograf Patrick Delcroix der vielleicht ältesten Dichtung abendländischer Kultur annimmt und sie nicht als Heldenepos und metzelfreudigen Horrortrip liest, sondern als Pas-de-deux-taugliche Lovestory.
Können die Ehegatten Odysseus und Penelope in jahrelanger Trennung den erotischen Verlockungen widerstehen? Das ist die Ausgangsfrage dieses Homer-Balletts. Deshalb gestaltet sich die Heimreise des Odysseus als aufreibendes Insel- und Frauenhopping, während die wartende Penelope immerzu von einer vierköpfigen Schar Freier bedrängt wird. Erleichtert darf man am Ende aufseufzen: Sie können. Heroen-Herzen sind stärker als das schwache Fleisch.
Eine kanonische «Odyssee» kann mit dieser Deutung für das Aalto Ballett Essen kaum entstehen. Dass der Abend trotz elegisch-wabernder Minimal-Musikkompositionen nicht als Schmacht-Mär absäuft, liegt an ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Nicole Strecker
stuttgart_________
colours
Ganz schön wagemutig und ganz schön eindrucksvoll, was Eric Gauthier da erstmals im Theaterhaus auf die Beine stellt: ein dreiwöchiges Festival mit elf Gastkompanien aus aller Welt, mit Uraufführungen und Deutschlandpremieren. Die kanadische Tanzfarbe steuert eine bei, die nie um eine denkwürdige Kreation verlegen ist: Marie Chouinard und...
«The Future: New Ideas: New Inspirations» lautete der Titel der Konferenz, zu der die Dachorganisation Dance UK geladen hatte. Schock am Eröffnungstag: ein Presse-Statement, abgegeben von den Leitern dreier britischer zeitgenössischer Kompanien – Akram Khan, Lloyd Newson und Hofesh Shechter. Die Verlautbarung beklagte den Zustand der nationalen Tanzausbildung,...
war im Ballett der Städtischen, später Deutschen Oper von 1952 bis 1965 eine der markantesten Persönlichkeiten. Den schroffen, expressiven «Berliner Stil» Tatjana Gsovskys verkörperte sie grandios: Klein, energiegeladen bis hoch explosiv hatte sie eine Präsenz, die bis in den 3. Rang feuerte. Das extrem schmale Gesicht mit dem langen Kinn verstärkte ihre aufrechte...
