Erkenntnisküken

Ioana Mona Popovici: «Remote Edens» in Prag

Tanz - Logo

Von paradiesischen Zuständen keine Spur. Nacht ist es auf der Bühne, der einzige Lichtstrahl lässt die Stele mitten im Prager Ponec allenfalls ahnen. Petr Smetácek hat sie geschaffen: Reminiszenz an den Baum der Erkenntnis, der dem ersten Menschenpaar zum Verhängnis wurde. Erstarrt stehen die beiden anfangs da, während aus dem Off die Arie «O let me weep» erklingt. Nur ein Dutzend Küken lässt sich vom Schicksal, das so schwer auf der Szene lastet, nicht im Mindesten beeindrucken. Auch nicht von seiner Gefangenschaft. Fröhlich fiept es den Abend lang im Vogelbauer.


Nicht alles in diesem «Kingdom-of-the-falling», das Ioana Mona Popovici in ihrem neuen Stück «Remote Edens» bespiegelt, ist auf Sand gebaut: der Käfig mit den Küchlein hängt später, kaum erkennbar im Bühnenhintergrund, am Haken. Nur die beiden Protagonisten müssen auf ungesichertem Terrain agieren. Wäre da nicht der andere, gäbe es nicht den geringsten Halt. Kaum lässt der eine vom anderen, verliert er den Boden unter seinen Füßen. Wer von beiden kann auf eigenen Beinen stehen? Nicht Anna Caunerová, die sich in ihrem bäuerlichen Kleid scheinbar so erdverbunden gibt. Auch nicht Daniel Racek, der Hagere im weißen Hemd. Wagt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2005
Rubrik: On Stage, Seite 52
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ikonografie der Weiblichkeit

Eine Frau hat viele Gesichter, je öffentlicher die Frau, desto mehr. Vor der Kamera bedient sie das kollektive Bildergedächtnis: die lächelnde Politikerin, das laszive Mannequin, die Rocksängerin, die die Zähne bleckt. Man kennt das. Aber was ist vorher, was nachher? Wie wahr, wie manipulierbar sind die Bilder? Die Kölnerin Ste­phanie Thiersch, bekannt durch ihre...

With telepathic sense

When Louise Lecavalier is on the roster, the show is a big draw. If you ever saw her performances during her riveting career with La La La Human Steps and choreographer Edou­ard Lock, you’ll know why. Lecavalier’s vaulting, strutting, phenomenal dance persona was repeatedly described in the press as an unbeatable “human torpedo.” After 18 years of association she...

Feedback

Re: Vorschau 03/05 Der Buchstabe M macht’s: Nicht Mylla ist die Zwillingsschwester von Mats Ek, sondern Marlin. Mylla, Niklas Eks Tochter, arbeitet als Bühnenbildnerin, Marlin ist in Schweden eine namhafte Schauspielerin.