Dressed To Kill
Schwarze
sind oft wenig vermögende Männer. In Südafrika tragen sie tagsüber den Blaumann und setzen Motoren zusammen. Sie verdingen sich im Kittel als Gärtner, in Fantasie-uniformen als Kellner oder in schlecht sitzendem Leinen als Hilfspolizisten. Nichts degradiert sie vierzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid mehr als diese Uniformen. Die nur zu offensichtliche Kennzeichnung als Diener trennt heute Arm von Reich mehr als die Hautfarbe.
Und wovon träumt so ein Mann, wenn er abends seinen Overall auszieht? Er wird sich nicht kleiden wollen wie sein Herr.
Er wird träumen: von wirklicher männlicher Schönheit, jenseits der mausgrauen Unauffälligkeit der Weißen und ihrer lässigen Ignoranz von Chic. Der weiße Mann bezeichnet seine Kleidung gern als «casual». Was aber soll einer, der sich «ungezwungen» gar nicht fühlen kann, diesem Modeideal entgegensetzen? Akkurate Schönheit. Ein echtes Mannsbild sein. Auch ein wenig die Karikatur des weißen Mannes darstellen.
Darum trägt Simon Khoza heute Abend einen schneeweißen Anzug. Eine rasiermesserscharfe Bügelfalte. Ein knallblaues Seidenhemd. Falsche Brillanten an den Fingern. Er ist eine Wucht von Selbstachtung. Mit dieser Klamotte ist vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sidi Larbi Cherkaoui ist ein Glaubensforscher. Die Religionen und ihr ideologisches Unheil für die Menschheit, das Paradox zwischen menschlicher Offenbarungssehnsucht und religiöser Tyrannei sind hinreichend Stoff für ein künstlerisches Lebensthema.
In «Origine» will er grundsätzlich werden, zurück zu den Wurzeln der Wurzeln. Von der Mythogenese bis zur...
Beijing rüstet für Olympia. Alle wollen dabei sein: die Industriestaaten natürlich, mit Tanz vom Feinsten. Aber was macht, zum Beispiel, Ägypten? Der Konsul der ägyptischen Botschaft in Beijing, Nasser Abdel-Aal, sponsert eine chinesische Ballett-Tänzerin, die in Kairo Bauchtanz studierte und nun zurückgekehrt ist, um den Frauen die Köstlichkeiten wahrer Erotik,...
Antje Pfundtner, Sie arbeiten sonst eher biografisch orientiert, das Living Dance Studio dagegen dokumentarisch und konkret bezogen auf die chinesische Lebensrealität. Wie haben Sie und Wen Hui zu gemeinsamen Fragestellungen gefunden? Anknüpfend an ein Stück über die Flucht chinesischer Landarbeiter in die Stadt, «Dancing with Farm Workers»,...
