Dortmund: Xin Peng Wang: «Faust I – Gewissen»

Tanz - Logo

Wen interessiert der mürrisch-alte Faust? Es ging doch immer schon um Mephisto: den Geist, der das Böse will, und behauptet, stets das Gute zu schaffen. Dieser Widerspruchskerl hat nun Xin Peng Wang verführt. Für den Choreografen ist der Teufel quirlig wie ein ADHS-Teenager, sexy und begeistert-bös. Gott gibt ihm den Faust als Spielfigur, einen bebrillt-zauseligen Grauschopf, den – kleiner Choreografenscherz – ein Hexenschuss plagt.

Auf den Gliedern von Faust-Tänzer Harold Quintero lastet bleischwer die Intellektuellen-Schlappe: Das Innerste der Welt will sich ihm partout nicht offenbaren, mag er sich in manischer Selbstumdrehung scheinbar noch so tief in den Bühnenboden bohren. Mephisto umschwirrt ihn als Fliegenluzifer, schnörkelt die Hände wie ein Taschenspieler und packt sich den Faust’schen Denkerkopf, um ihn spöttisch hin und her zu werfen. Der gerade mal 20-jährige Dann Wilkinson ist ein fantastischer Mephisto, eine Entdeckung! Elegant-erotisch und exzentrisch, immer auch ein bisschen lächerliches Belzebübchen, das am Ende zu Rammstein-Rock triumphal abhottet. Zuvor hat sich Faust im Bilderrahmen verjüngt und verwandelt – in den Tänzer Javier Cacheiro Alemán, der so brav ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Nicole Strecker

Weitere Beiträge
Madrid: Mikhail Baryshnikov, Robert Wilson: «Letter to a Man»

Das musste ja früher oder später passieren. Mikhail Baryshnikov, unbestrittener Superstar unter den Balletttänzern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, trifft auf Vaslav Nijinsky, Superstar aus dessen erster Hälfte. Da verschmilzt ein lebender Altmeister mit einer glamourösen Skandallegende: Ikone der Ballets russes, dann Opfer der Schizophrenie, in Bildern und...

Luzern: Didy Veldman: «360°», Idan Sharabi: «Songs»

Ein Lichtstrahl rührt durchs Dunkel, dreht Runde um Runde, endlos und langsam wie der Zeiger einer Himmelsuhr. Schön ist das anzusehen. Doch Obacht: In der Poesie dieser kreisenden Bewegung lauert Gefahr. Die Bühnenbildnerin Kimie Nakano hat den bewegten Lichtstrahl in ein mehrere Meter langes Rohr verpackt. Wer ihm zu nahe kommt, kriegt blaue Flecken. Oder wird...

Screenings

screening
thin skin – marco goecke

Etwas Dünnhäutiges hat er schon, schließlich ist Marco Goecke kein Durchschnittschoreograf wie so viele andere. Seine Stücke, inzwischen mehr als fünfzig an der Zahl, gehen unter die Haut. Nicht zuletzt unter die eigene. Und deshalb haben alle mehr oder weniger erkennbar auch mit seiner Befindlichkeit zu tun, selbst wenn es für...