Dortmund: «Livebox: Persona»
Hier sind Tänzer, die sich gebärden. Einer knickt kunstvoll in den Knien ein, tut so, als ob er falle. Er fällt, aber es ist kein Fallen, nur eine gestische Andeutung davon. Der Tänzer Sudeep Kumar Puthiyaparambath zeigt, wie er fallen würde. Er tanzt die Möglichkeitsform, als wäre er ein Model, das zu fallen habe.
Die Pose bleibt jederzeit sichtbar, auch bei seinem Kollegen und den drei Frauen, die das weiße Bühnengeviert bedeutungsvoll betreten, dann bedeutsam auf dem Boden lagern und ins Publikum schauen, dorthin, wo sich vermutlich die Bedeutung ihres Tuns erst noch herstellen soll.
Ben J. Riepe, Schüler seines Düsseldorfer Meisters VA Wölfl, bezieht jede seiner im Berliner Ballhaus Ost exekutierten Gesten zurück auf ein stehendes Bild. Die Pose ist das Ziel aller Bewegung. Dazu tragen die Tänzer Masken, die an einen Versehrten des Ersten Weltkriegs denken lassen, an einen Vogel oder an einen Hund (aus dem Lautsprecher ist deutlich Bellen zu vernehmen) oder an ein Alien (die Lautsprecher singen: «Hallelujah»). Während die Akteure ins Publikum schauen, und wir so tun, als würden wir Tiere, Aliens und Versehrte sehen, wird ihnen – vom Choreografen persönlich – je eine Kerze ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann
2002 hob Julian Nida-Rümelin als erster Kulturstaatsminister der Republik die mit einem Etat von jährlich 40 Millionen Euro ausgestattete Kulturstiftung des Bundes aus der Taufe. Es war höchste Zeit. Die Zuwendungen aus Kommunen und Land für die kulturelle Versorgung reichen vorne und hinten nicht. Und immer seltener geht es, nach Tarifer-höhungen,...
Strahlende Gesichter am Théâtre National de Chaillot. Dessen Intendant Didier Deschamps musste sich nach einer Amtszeit von fünf Jahren einem erneuten Auswahlverfahren unterziehen – mit harter Konkurrenz. Für den Tanz stand viel auf dem Spiel, denn die aussichtsreichsten Nachfolgekandidaten kamen aus dem Bereich Theater. So Masha Makaïeff, Intendantin des größten...
Klaus Geitel
Er war ein Glückskind. Klaus Geitel erinnerte sich grundsätzlich nur an die schönen Momente seines Lebens, und derer gab es viele. Aufgewachsen als Sohn eines großbürgerlichen Fahnenfabrikanten, hat er von Kindesbeinen an Musik eingesogen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog es ihn nach Paris. Der Student tauchte tief ein ins Leben der Boheme, in...
