Die Kopie der Geschichte
Tanz braucht eine Geschichte, auf die er, wie andere Kunstformen auch, zurückgreifen kann – war dies ein Motiv für Ihre Arbeit?
Millicent Hodson: Die Tanzgeschichte ist sehr stark mit dem Thema Verlust verknüpft. Daraus wurde sogar etwas Heroisches: Dass der Tanz deshalb wunderbar ist, weil er verschwindet. Ich persönlich möchte aber die Dinge sehen, die so wunderbar waren. Kenneth und ich trafen uns bei diesem Thema. Seine Position war: Was ist eigentlich Verlust? Wenn noch einige Dinge übrig sind, dann gibt es immer auch etwas, das man re-imaginieren kann.
John Neumeier: Den Tanz kennzeichnet, dass er gerade keine universelle, lesbare Form hat. Wenn man Musik studiert, kann man zumindest lernen, wie man die Musik des Mittelalters entziffert. Ähnliches gilt für Maler und Schriftsteller. Alles, was man als Tänzer lernt, wird physisch gezeigt, die Tradition des Tanzes wird über Personen weitergegeben. Wenn diese Linie unterbrochen wird, dann brauchen wir Leute, die diese Lücke schließen. Aber die Lücke selbst fasziniert mich an der Tanzgeschichte. Wenn ich an meine Lehrer und an die Lehrer meiner Lehrer denke – ich sehe immer nur Menschen, nie einfach nur Geschichte.
Kenneth Archer: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jede Kunst hat einen Kanon und ein Who’s who ihrer wichtigsten Vertreter. An Goethe, Mozart oder Leonardo da Vinci kommt niemand vorbei. Ob Avantgardisten wie Jackson Pollock auch in die Bildungscurricula gehören, darüber lässt sich streiten. Im Pantheon der Künste jedoch stehen diese Neuerer von vorgestern gleich neben den Klassikern ihres Metiers.
Zu Meistern...
Auf der Bühne stellen Sie ja nicht gerade die geflügelten Waldfeen dar, sondern sind von Kopf bis Fuß in Folie eingewickelt. Warum?
François Chaignaud: Es ging uns anfänglich auch gar nicht darum, ein Stück über die Sylphiden zu machen. Der Titel ergab sich während der Arbeit. Der Ausgangspunkt war eine Entdeckung, die uns faszinierte. Wir begannen gerade eine...
Seine Tänze, die der künstlerische Leiter des CoisCéim Dance Theatre allein in diesem Jahr vorgestellt hat, reichen von den technisch anspruchsvollen «Dodgems» – mit eigenem Soundtrack und siebzehn Tänzern – bis hin zu «Boxes», einem Duo mit alten Pappkartons. Egal, wie groß oder klein seine Choreografien sind, immer sind es hochgradig theatertaugliche Tänze, die...
