Die Flößer
Werner Schroeter
war ein Star, einer der Motoren des kollektiven Coming-out: Die Party hob in den 1970ern an, sie war ein Segen, ein Karneval der Kulturen quer zu allen alten Zuweisungen des Geschlechts, der Herkunft, der sozialen Unterschiede. In Cliquen wie Schroeters erfanden sich die, die «anders» waren, in den alten Uniformen eine neue, ihre eigene Identität. Schroeter erfand sich einen Hut nach Beuys, die stark beringte Hand nach Sigmar Polke, die glatt gekämmte Zopf-Frisur, und sein Freund Rainer Werner Fassbinder holte die Lederjacke von Brecht aus dem Schrank.
Generationen kopieren seither diese Münchner «Eichen-Bohème». Ihr gemeinsamstes Merkmal: die hemmungslose Liebe, wenn nicht zu Elisabeth Schwarzkopf, dann zu Maria-Callas-Arien und Magdalena-Montezuma-Posen. Bald nahm diese verschmockte Sehnsucht Kurs auf die Hochkultur. Susan Sontags Aufsatz zu «Camp» stand damals in jeder Studentenbude. «Camp» als kitsch-freudige Fetischisierung der Hochkultur. Und das Theater nahm diese Buben gern bei sich auf. Sie zettelten großartige Revolten an, feierten den unbedingten, wunderschönen Schockschmock. 1973 hatte Werner Schroeters «Salome» mit Christine Kaufmann Premiere, mit der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
The Lazarus Trick
Most people shook their heads sorrowfully when Ashley Page was appointed as Artistic Director of Scottish Ballet in 2002. The general opinion was that this once great company had lost its sense of direction after the death of the inspirational director and choreographer Peter Darrell in 1987. The Board had agonised many times about whether the...
DD Dorvillier’s intriguing new work shifts the functions of the senses. Sound, via a live microphone, describes her movements from inside her jeans pocket, where it rustles and crackles with each move. The mic – attached to her jeans by a rock climber’s karabiner hook – bumps along her knees and legs, narrating the minor struggle as she wrestles to take off her...
Ruth Lilly ist eine Pharmazie-Erbin aus Amerika, die es wissen wollte: Sind die «Creative Industries» wirklich nur etwas, das man bezuschussen muss? Und beauftragte Randy Cohen mit einer Aufsehen erregenden Studie: Während die US-Wirtschaft 2005 nur um 3,83 Prozent wuchs, stiegen die Umsätze der Künste um 5,5 Prozent. 0,8 Prozent des Personals wurde im...
