dessau: Tomasz Kajdanski: «Der Sturm»
Für Tomasz Kajdanski, den Leiter des 14-köpfigen Balletts am Anhaltischen Theater Dessau, ist seine Bühne «eine Kirche» – ein Ort der Zuflucht und der Einkehr in einer Stadt, die seit den Wendejahren nie richtig zu sich gefunden hat. Weder der kulturelle Leuchtturm des Bauhauses noch ortsansässige Groß-Institutionen wie das Bundesumweltamt ändern etwas daran, dass Dessau zu jenen Kommunen gehört, die dauerhaft darben. Weshalb Theaterchef André Bücker immer mit Hiobsbotschaften rechnen muss, zuletzt mit 200 000 Euro Einsparauflage im laufenden Etat.
Trotzdem hat Kajdanski nicht kapituliert, sondern setzt der Krise ein doppelgleisiges Konzept entgegen: Ein Tanzabend pro Jahr steht im Zeichen der Unterhaltung, ein zweiter verschreibt sich hehrer Kunst. Dieses Mal ist die Wahl auf William Shakespeares «Der Sturm» gefallen, und die Inszenierung macht aus den häuslichen Nöten – schmales Ensemble, wenig Geld – soweit sie kann eine Tugend. Das gelingt vor allem dank Kajdanskis Entscheidung, aus Prospero eine Prospera zu machen, eine Zauberin, die sich auf ihrem Eiland wie eine absolutistische Amazone eingerichtet hat, nachdem der Bruder Antonio ihr einst das Herzogtum Mailand entriss. ...
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Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
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