Der lange Weg der kurzen Schritte

Kunst und Tanz und Film haben keine so unterschiedlichen Strategien, wenn sie den Körper einem fragmentarischen Styling unterwerfen wollen.

Tanz - Logo

Eine junge Frau geht die Straße entlang. Eigentlich tänzelt sie fast. In den Händen hält sie einen Vorschlaghammer. Die Kamera zeigt die Frau auf dem Gehweg, rechts von ihr am Straßenrand die lange Reihe geparkter Autos. Im Gehen holt sie immer wieder aus. Scheiben splittern – Pipilotti Rist inszenierte so einen wahren Scherbentanz. Noch Performance, schon Konzeptkunst, noch abgesichert durch Stichworte wie «Aktion», schon die Grenze zwischen Kunst und Tanz aufhebend.

Ein entferntes, unbewusstes und heiteres Gegenbild zu jenem letzten Ineinssetzen von Kunst, Tanz und Schauspiel, das auch Hansgünther Heyme am Stuttgarter Staatsschauspiel 1981 mit seinem Blick auf die «Phönizierinnen» gewagt hatte. Die Schauspieler nackt, agierend und getrieben auf der Bühne, den Raum durcheilend, durchmessend, herabhängende Mikrofone anschlagend, als könnten die provozierten Töne Orientierung geben. Schauspiel als Tanz, Tanz als Schauspiel, ein frontales Moment der Gesamtkunst.
Oder Kunst als Befreiung von der Bürde der Kunst? In seiner «Psychologie der Kunst» (Köln, 1992) formuliert Martin Schuster: «Die Kultur stellt den Menschen in einen Rahmen von ‹Welterklärungen›, die durch die Kunst vermittelt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2005
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 70
von Nikolai B. Forstbauer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Leonid Sarafanov

« Schwindel erregender Rausch von Genauigkeit» – schon der Name des berühmten Stücks von William Forsythe könnte (Foto) das Talent des jungen ersten Solotänzers des Mariinsky, Leonid Sarafanov, nicht besser charakterisieren. Er ist nicht der einzige Darsteller in diesem Stück, aber zweifellos der unersetzbarste. Ebenso wie in den technisch virtuosen klassischen...

The Maker’s Voice II

After Anthony Atanasio dazzled the dance screen world with his haunting black and white short “Dust” written and performed by Brighton based Mim King in 1999, he seemed to vanish. Yet he was only invisible to an increasingly global dance and media (MAD) network. Anthony Atanasio was thriving as a savvy director in the commercial world, creating thrilling, amusing...

Natalia Sologub

One of the leading young female soloists of the Mariinsky Theatre, Natalia Sologub has performed a large number of principal roles in classical as well as modern repertoire. She came to the Mariinsky from Bashkiria in 1998, at first as an understudy for such stars as Diana Vishneva before becoming a unique, unforgettable dancer-actress in her own right. In just a...