Der Buckel
«Schauen Sie, das Centre Pompidou hat meinen Rücken auf dem Plakat. Sie hätten ja auch einen anderen Bildausschnitt aus ‘Boléro variations’ wählen können, nur mit konventionellen Rücken», sagt Raimund Hoghe in Blickweite seines Auftrittsorts in Paris. Der Buckel als Blickfang, attraktiver als glatte, straffe Adonishaut? «Der Körper als Landschaft!»
Raimund Hoghe gleicht trotz seines hügeligen Rückens nicht gerade einem Felsmassiv der Tanzlandschaft. Im Gegenteil, sein Werk ist ihre Hochebene.
Bei der langen Wanderung durch die Plateaus seiner ausgedehnten Bühnenzeiträume spürt so mancher Zuschauer, wie ihm der Sauerstoff knapp wird. Denn der sanfte Zwerg stemmt sich mit der Dauer seiner Stücke, die sich über zwei, drei oder vier Stunden ausdehnen können, gegen den Zeitgeist der heiligen Beschleunigung.
«Rouler sa bosse» – seinen Buckel rollen, sagt man in Frankreich für rastloses Wandern. Der Werktätige geht, umgangssprachlich gesehen, nicht arbeiten sondern «buckeln»: oder auf Französisch – «bosser». Es ist nicht so, dass dort der Buckel besonders beliebt wäre. Trotzdem spielt Raimund Hoghe seine Produktionen hauptsächlich in Frankreich, wo er ein Star der Tanzszene ist, obwohl ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Südafrika. Wellblechhütten, Townships. Das sind Millionenstädte, die in der Apartheid wuchsen. Ausufernde Arbeitermetropolen, endlose Landschaften aus Hütten und Märkten, verbunden mit Eisenbahnlinien und Highways, um Arbeitskraft in Minen und Fabriken zu transportieren. Bis das Fass überlief, und das Geld nach dem Ende der Apartheid aus dem Land floh. Hector...
Sie lächelt. Evas Lächeln ist unnachahmlich, so groß, ihre Verbindung zur Welt, eine Linie im Bogen, und ein Blick, der immer auch ein bisschen für sich behält. Doch ihr Tanz führt diese Linie fort, ihre Arme greifen in den Raum, die Schwünge, der gestreckte Körper. Eine seidenfeine Zähigkeit, mit der sich der Mensch gegen Bodenschwere und Luftleichtigkeit...
Ein Faun kommt dieser Tage selten allein. Acht Jahre ist es her, dass eine bunte, illustre Truppe um Boris Charmatz für das Quatuor Albrecht Knust in «... d’un Faune (éclats)» das Stück aus dem Blickwinkel des Interpreten rekonstruierte. Es war ein Anstoß für die zeitgenössische Szene, sich verstärkt mit Nijinskys revolutionärem Werk auseinanderzusetzen. Im 21....
