das große flattern

Die meisten Tänzer kriegen Fracksausen, wenn sie nur daran denken: Auditions gelten als Angstmacher. Auch die Arbeitsagentur nutzt das Format. Und bietet ein Coaching an.

Tanz - Logo

«Atmet einfach ein und aus, entspannt euch – und habt vor allem Spaß!» Dirk Elwert ist keine Bürokratenseele, sondern ein ziemlich guter Seelsorger. Er kann sich offenbar lebhaft ausmalen, wie es gerade um die 23 blutjungen Damen und Herren bestellt ist, die sich an diesem Sonntagmittag im Ballettsaal des Leipziger Opernhauses versammelt haben. Eigentlich gehören sie noch gar nicht hierher, denn keiner von ihnen hat einen Vertrag in der Tasche. Stattdessen fiebern sie alle dem Abschluss ihres Tanzstudiums entgegen, die einen in Dresden, die anderen in Berlin.

An den hiesigen Stangen reihen sie sich nur aus einem Grund hintereinander: Sie wollen die erste Hürde im Berufsleben nehmen und einen Platz in der ZAV-Datei ergattern. Gegen Abend werden sie wissen, ob’s geklappt hat.

Hinter dem ZAV-Kürzel verbirgt sich eines jener Wortungetüme, die in deutschen Amtsstuben im Minutentakt geboren werden: Die «Zentrale Auslands- und Fachvermittlung» gehört zur Bundesagentur für Arbeit und unterhält eine Künstler-Dependance, die Berufsstarter, Arbeitslose und Wechselwillige in Lohn und Brot bringen soll. Dabei wird nicht ins Blaue hinein vermittelt: Tänzer müssen ihr Können vorher unter Beweis ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2013
Rubrik: praxis, Seite 68
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
berlin: isabelle schad, laurent goldring «der bau»

Laurent Goldring – Medien- und bildender Künstler, bevorzugtes Material: der lebende Körper – wohnt in der Nähe des Pariser Marché Saint-Pierre, eines Kaufhauses für Stoffe aller Art und Preisklassen. Von dort brachte er für die Tänzerin Isabelle Schad einen gefühlten Quadratkilometer Tuch mit, um es in eine Art Behausung zu verwandeln. So setzen sich beide mit...

ulm: roberto scafati «le sacre du printemps ... plus»

So werbewirksam wie der Titel ist das Programm zusammengesetzt: Roberto Scafati erweitert Strawinskys «Frühlingsopfer» zu einem ganzen Jahreszeitenzyklus. Was böte sich da trefflicher an als Vivaldis Violinkonzerte «L’Estate» und «L’Inverno». Auch sie sind Programmmusik, spielen aber auf einer deutlich freundlicheren Skala als Strawinskys schroffes Avantgardewerk....

newcomer: josh johnson

Bei ihm reicht die Eleganz bis in die Spitzen seiner unglaublich langen Finger. Mit ihnen musste sich Josh Johnson zunächst vortasten in die unendlich kombinierbaren Knick- und-Drehmomente aller Glieder und die vertrackten «tasks» des Choreografen William Forsythe. Der Tänzer der Forsythe Company stammt aus dem kalifornischen Mission Hills. «1987» steht tätowiert...