Das Bild und seine Geschichte
Jeden Morgen zwischen Erwachen und Aufwachen regiert das Halbschlafbäckchen. Das Halbschlafbäckchen schuf Blixa Bargeld, Lyriker der legendären Berliner Band Einstürzende Neubauten in den 1980ern, als Butoh, der japanische Tanz der geweißelten Körper, im Schlafanzug durch die Theater huschte. Butoh ist der große Halbschlaf des zeitgenössischen Tanzes: langsam, traumhaft, ohne Dramaturgie und Bedeutung, exotisch wie die Romantik, ökologisch wie Mecklenburg-Vorpommern, die Steiermark, wie Göttingen, dessen Mamu-Zentrum von Tadashi Endo hierzulande zum Urort des Butoh wurde.
So weit weg in der Provinz ist Butoh seither so provinziell, wie er es immer sein wollte. Der legendäre Kazuo Ohno feierte sein letztes Gastspiel in Remscheid. Auf dem fernen Schloss Bröllin zwischen Berlin und der Ostsee zelebrieren japanische und deutsche Künstler konspirative Sommerlager mit kalkweißem Sonnenschutz.
Japaner und Deutsche deshalb, weil sie einander sehr ähnlich sind in Bezug auf ihr Halbschlafbäckchen. Beide träumen viel und gern, während sie nach außen zuverlässig Fleiß und Tugenden wie Ordnung und Pünktlichkeit signalisieren. Ihre Gesellschaften funktionieren so reibungslos, damit der Einzelne ...
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