Parkinson-Patienten mit Lehrern im Innenhof des Museo Civico, Foto: CSC

Dance Well

Erlösung durch Schönheit: Wie die Kunst Körper und Seele labt, zeigt dieses Projekt in Bassano del Grappa

Tanz - Logo

Der Begriff «Utopie» ist eng an das Konzept des Idealen geknüpft.­ Irgendein Ort, irgendein Zustand, irgendein menschliches Abenteuer, so perfekt und harmonisch erdacht, dass es in der Wirklichkeit unmöglich eingelöst werden kann. Und doch sehnt sich der Mensch unweigerlich danach. Die antiken Philosophen Griechenlands nannten das Ananke – «inneres Bedürfnis», «Zwangsläufigkeit». Etwas, wogegen man nichts tun kann.

Es kann folglich vorkommen, dass Schönheit und Harmonie, also die klassischen Ideale des «Goldenen Zeitalters der Menschheit» (so dieses je existierte), zu den maßgeblichen Ingredienzen werden auch im Kampf gegen physischen Verfall und neurologische Leiden, die die körperliche und mentale Integrität der Betroffenen schwächen. Und die uns häufig zu der Einsicht zwingen, dass das wirkliche Leben das Bedürfnis in uns wecken kann, der tragischen Antithese jenes aristotelischen Ideals ins Gesicht zu blicken, welches der lateinische Dichter Juvenal einst so treffend in die Wendung mens sana in corpore sano kleidete.

Der berühmte Vers war in allen Epochen bereitwillig übernommen worden, um die perfekte Verbindung des Menschen mit dem Universum zu beschwören, welches jener dank ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 92
von Silvia Poletti

Weitere Beiträge
Immersion

Du betrittst den großen Ausstellungsraum. Blau-rotes Licht leuchtet auf Stoffe, die Lautsprecher verkleiden. Auf einer Seite steht ein skelettartiges Kugelobjekt mit dünnen blauen Elektrolumineszenz-Fasern, die wie Dendriten leuchten.

Du bewegst dich zwischen den Lautsprechern hindurch, die in dem Stoffwald verteilt sind, und bemerkst die subtil wechselnden Klänge,...

Johann Kresnik: Traut euch was

Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet. Ich...

Sidi Larbi Cherkaoui

Aller guten Dinge sind drei: Nach 2008 und 2011 wird Sidi Larbi Cherkaoui abermals «Choreograf des Jahres». Dass er es irgendwann noch ein viertes Mal schafft, darf man mit Fug und Recht annehmen. Kein Choreograf ist derzeit weltweit so präsent wie der Belgier aus flämisch-marokkanischem Elternhaus. In seiner Geburtsstadt Antwerpen steht er heute sowohl der selbst...