crackz
Macht es einer, machen es alle anderen auch. Wenn einer einen coolen Move entdeckt, probiert ihn die ganze Gruppe. Hip-Hop ist – wie alle Szenen – eine Kultur des Kopierens und Klauens, während er doch gleichzeitig den Anspruch erhebt, authentisch und «real» zu sein.
Bruno Beltrão, Choreograf aus Brasilien, der bevorzugt die Gepflogenheiten seiner eigenen Szene zerpflückt, demonstriert nun in seinem neuen Stück, dass es mit der kultigen Realness im Mainstream-Phänomen längst nichts mehr auf sich hat: Er habe, behauptet die Ankündigung, gemeinsam mit seinen Tänzern das choreografische Material seines neuen Stücks aus dem Internet gesammelt.
Alles nur geklaut also. Alles gestohlen, gezogen und geraubt. Die Sampel-Share-Mashup-Methode – sie wird derzeit immer wieder als typische Kunstpraxis für die Ära webbasierter Intertextualität ausgerufen. Zuletzt etwa outete sich auch Wim Vandekeybus in «Booty Looting» sarkastisch als «Beuteplünderer». Der Copy-Paste-Choreograf als neue Rebellen-Rolle in der digitalen Gesellschaft.
Ferne Beats im Dauerdämmer
Okay, in Beltrãos «Crackz» wird der Tanz also «gecracked». Nur: Sieht das überhaupt einer? Man hat manchmal Mühe, überhaupt etwas zu sehen. ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: produktionen, Seite 20
von Nicole Strecker
Der Background ist beängstigend. Noch bevor das eigentliche Stück beginnt, spielt Christoph Winkler einen Soundtrack des Schreckens, der einen schon das Fürchten lehren kann, eine dumpfe Geräuschpalette, die auf eine Demonstration hindeutet, ein ohrenbetäubendes Trillerpfeifenkonzert, vereinzelte Sieg-Heil-Rufe, die das hörbare Ereignis ganz offensichtlich der...
Diversität ist eins der Zeichen unserer Zeit. Darum wird der weiße, heterosexuelle Mann als Maßstab von Ding und Welt künstlerisch so gern infrage gestellt, sei es, indem Jérôme Bel in «Disabled Theatre» lieber Menschen mit geistiger Behinderung auf die Bühne bringt, sei es, dass das Künstlerpaar Gintersdorfer/Klaßen die Opfer kolonialer Vergangenheit in den...
Marius Petipa musste nicht lange überlegen, zu welcher Musik er Dornröschen wachküssen ließ. Er bestellte sich einfach «ein feuriges und bebendes Motiv» bei Tschaikowsky. Merce Cunningham schuf seine Choreografien unabhängig von John Cages Musik und setzte beides erst bei der Premiere zum fertigen Stück zusammen. «In meinen choreografischen Kreationen habe ich mich...
