claire cunningham
«Wahrnehmung ist etwas, was wir tun», erklärt der Philosoph Alva Noë. Denn «Wahrnehmung hängt von unseren Fähigkeiten ab, zu agieren und zu denken». So steht es auch in seinem Buch «Action in Perception», und entsprechende Gedanken hat er als philosophischer Berater in «The Way You Look (at Me) Tonight» eingebracht, das im September uraufgeführte, als «soziale Skulptur» bezeichnete Stück von Jess Curtis und Claire Cunningham. Was die beiden da neunzig Minuten lang tun, kann der Betrachter nicht auf Anhieb entschlüsseln.
Unbekannten Regeln folgend, gehen sie durch das Publikum und fragen sich selbst und gegenseitig, en passant und lässig, wer sie sind, was sie machen, und wie die Rezeption – die eigene und diejenige des Gegenübers – definiert und beeinflusst werden kann. Jeder soll auf seine Weise Zugang haben und wahrnehmen können. Auch das Publikum wird animiert zu beobachten, was die Performer entwickeln, was auf den von Yoann Trellu bestückten Videoscreens zu sehen ist, was der Komponist Matthias Herrmann arrangiert hat. Jeder Einzelne muss selbst entscheiden, welches Medium den eigenen Wahrnehmungsmöglichkeiten am bes-ten entspricht. Sind die Bewegungen der Darsteller ...
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Tanz November 2016
Rubrik: Menschen, Seite 24
von Gustavo Fijalkow
Mozart nennt seine «Entführung aus dem Serail» ein «Singspiel». La Scintilla dei Fiati machen daraus ein «Hörspiel». Gäbe es einen Choreografen, der ihre Einspielung einem Ballett zugrunde legte: Müsste er es nicht konsequenterweise als ein «Tanzspiel» ausweisen? Opernballette gibt es ja zuhauf, und eins der umstrittensten war die «Zauberflöte», die Maurice Béjart...
«Objekt» heißt das Stück, also steht ein Ding auf der Bühne. Es ist kistenförmig, mittelgroß und wendet seine breitere Seite ein wenig ab vom Pub-likum. Theatralischer Nebel, ein magentarotes Glühen und Lichtstrahlen von oben heiligen das Objekt, dazu das Sonnenaufgangs-Motiv aus «Also sprach Zarathustra» von Richard Strauss, das durch Stanley Kubricks Film «2001:...
Choreografieren allein reicht ihm nicht.
Angelin Preljocaj stellt zeitgleich mit der Premiere seines neuen Stücks «La Fresque» einen abendfüllenden Spielfilm vor: «Polina, danser sa vie». Das Szenario basiert auf der Graphic Novel von Bastien Vivès (tanz 11/11), erweitert aber dessen psychologisch-atmosphärischen Ansatz zu einer richtigen Biografie. Valérie Müller...
