chris dercon ist: mr. miracle
Wer ein Kulturvollprofi ist und wer nicht, lässt sich mit einem simplen Härtetest herausfinden: Man lasse den Kandidaten von der Berliner Presse befragen, und wenn er hinterher gute Laune hat, muss es sich um einen sattelfesten Mr. Miracle handeln. Chris Dercon, 57 Jahre alt, hoch gewachsen und physiognomisch eine Mischung aus Marlboro Man und Rudi Carrell, steckte sich nach seiner Vorstellung als künftiger Intendant der Volksbühne breit grinsend eine Zigarette an. Als schiene er sagen zu wollen: «Die publizistischen Dauerquerulanten hab ich schon mal im Sack.
» Und ja, er hat uns Schreiberlingen einen prima Auftritt geliefert: Smart, clever und ambitioniert präsentierte der Belgier sich selbst und sein Konzept für die Bühne am Rosa-Luxemburg-Platz, der er ab 2017 vorstehen wird. Noch während der Vorstellungsrunde raunte ein Kollege: «Der ist einfach eine coole Sau.»
So weit alles paletti. Wäre da nicht die Kehrseite dieser Berufung, sprich: was sie mutmaßlich auslösen wird. Dercon, studierter Kunsthistoriker, Theater- und Filmwissenschaftler und derzeit Leiter der Tate Modern in London, ist ein international versierter Allrounder, dessen Vita jede Menge Erfolgsstationen ausweist. ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: menschen, Seite 34
von Dorion Weickmann
Nicht einmal einer Handvoll Tänzer ist diese Auszeichnung bislang zuteil geworden: Margot Fonteyn, Rudolf Nurejew, Mikhail Baryshnikov und Gelsey Kirkland haben es irgendwann aufs Cover des «Time Magazine» geschafft – jetzt kommt eine dazu, die nach Einschätzung der Redaktion ein vorbildliches role model abgibt.
Misty Copeland, Solistin des American Ballet Theatre...
Die 13 war ihre Glückszahl: Geboren am 13. September 1889, fand ihre Taufe an einem Freitag, den 13., statt, die Festgesellschaft samt Täufling zählte – 13 Köpfe. Gute Omen, denn die Bilanz dessen, was sich in den folgenden fast hundert Jahren ereignete, lautete: «Mein Leben war sehr schön und interessant, manchmal zwar auch schwer, aber sehr bewegt.» Stimmt!...
Der Stoff, aus dem die Träume sind? Am Ende der Vorstellung greifen die Tänzer und Tänzerinnen jedenfalls nach etwas, das sich einem Zugriff eigentlich entzieht. Und wenn ihre Anstrengung auch kein Ergebnis zeitigt, signalisiert das poetische Bild doch so etwas wie Hoffnung, bevor der Vorhang fällt.
Insofern rundet sich ein Ballett-abend, den Ralf Rossa nicht...
