Choreografin des Jahres: Meg Stuart

Andere legen sich auf die Couch, sie geht auf die Bühne. Um kurz vor ihrem 50. Geburtstag mit «Hunter» ins Jagdrevier der eigenen Erinnerung vorzustoßen

Tanz - Logo

Mit Meg Stuart ein Gespräch zu führen, katapultiert auf eine andere Wahrnehmungsebene. Sie lebt nicht im Linearen, reiht ungern Wörter zu eindeutigen Sätzen aneinander. Lieber ruft sie zwei, drei Substantive oder Adjektive auf, um deren paradigmatische Qualitäten durchzuspielen. Vertikal wandert sie um ein Wort herum und ersetzt es durch Synonyme, generiert eine dichte Assoziationswolke – um diese dann unvermittelt durch ein «no, no, no» oder «but» zu zerstäuben.

In Spiralen dreht sich das Gespräch um die gestellten Fragen, kommt immer wieder auf einen Gedanken zurück, der versuchsweise gesetzt und sogleich durch sein Gegenteil relativiert oder zurückgezogen wird. Irgendwann beginnt man, Meg Stuart zu spiegeln: Die Sätze werden kürzer, die Augen wandern ins Weite, der Körper richtet sich an verschiedensten Raumpunkten aus, als würde er unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Oft fühlen zuerst die Finger und Hände der Form oder Textur eines Gedankens nach, bevor man ihn probeweise zusammensetzt und gleich wieder demontiert. Ein Zirkulieren von Energien ist das, weniger ein Austausch von Ansichten. Intensitäten bauen sich auf, und alles, was gesagt wurde, ist in den Pausen zwischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die saison 2013/14, Seite 122
von Elena Philipp

Weitere Beiträge
Tänzer des Jahres: Paul White

Als das Tanztheater Wuppertal im Februar ein leeres Werksgelände mit «Underground II» – kurzen Eigenkreationen seiner Tänzer – bespielte, fiel Paul White mit einer Mischung aus Humor und Ernst aus dem Rahmen allzu vieler elegischer Szenen. Er klemmte in einer Ecke mit einem gekrakelten Schild, «Bitte um Spenden, ich habe mein Talent verloren», führte unisono mit...

Ikone

Sauber angeordnet stehen die Kaffeehausstühle und -tische auf der Bühne, als stammten sie aus Jim Jarmuschs Episodenkino «Coffee and Cigarettes». Oder aus dem kleinen Film «Coffee with Pina» von Lee Yanor. Es sind runde Grübeltische, Geständnistische, Weißt-du-noch-damals-Tische. Heute wären sie gedeckt mit Tablets und Tofutellern und kaum noch dazu geeignet,...

guillaume côté

Er ist einer der größten Ballett-Stars seines Heimatlandes Kanada und derzeit erste Wahl, wenn es um die Besetzung der Hauptrollen beim National Ballet of Canada (NBoC) geht. Er verkörpert diese Partien mit Bravour, seit er vor 15 Jahren erstmals in der Kompanie auf sich aufmerksam machte. Die Künstlerische Leiterin Karen Kain bezeichnet ihn als Ausnahmetalent:...