Choreografen an der Oper
Ballett-Einlage
Es war eine ungeliebte Pflicht, die die Tänzer des Opernballetts an Stadt- und Staatstheatern an ihren Status im Kanon der Künste erinnerte. An ein Haus gekettet, künstlerisch mit wenigen Vorstellungen kurzgehalten, galten sie den Kollegen als hübsche Verfügungsmasse. Mussten antanzen zu «Einlagen» in Musical, Operette und Oper; obwohl deren Regisseuren selten recht viel zum Ballett einfiel. Und die musikalisch einfallsloseren Passagen fielen, wie begleitet vom Achselzucken schon des Komponisten, ohnehin der Choreografie zu.
Zum Glück für alle Beteiligten gehört diese hilflose bis selbstverständliche Ignoranz der Vergangenheit an (Ausnahmen aus «Sparzwang» bestätigen die Regel). Die Musiktheaterregie hat sich weiterentwickelt und denkt nicht daran, irgendwelche Zutaten auf der Bühne zu dulden, die ungeschickt durchs Gesamtbild purzeln. Sie mischt alle Elemente mit gleicher Sorgfalt oder verzichtet auf sie. Eine getanzte Einlage ohne dramatische Bedeutung im Inszenierungszusammenhang würde gestrichen. Wollen die Opernregisseure aber nicht darauf verzichten, dann finden sie kompetente Gegenüber auf der Tanzseite. Entweder am eigenen Haus, wo viele Kompanien inzwischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Akram Khan ist dieses Jahr dran mit Blümchenpoesie. Immer zum 29. April, wenn die UNESCO zu Jean-Georges Noverres Geburtstag den Tag des Tanzes ausruft, bittet der große Vorsitzende des Internationalen Tanzkomitees des Internationalen Theaterinsitituts, Alkis Raftis, um eine besinnliche Botschaft. Es sah so aus, als sei der Grieche in der Klemme. Niemand wollte ihm...
Jean-Georges Noverre schäumt vor Wut in seinem VIII. Brief über die Tanzkunst:Der Tanz, ganz und gar zu Hause in der Oper und wie keine andere Kunst begabt, diese wieder glaubwürdig und anrührend zu machen, ausgerechnet der Tanz verkommt in der Hand von Ignoranten zum gefälligen Ornament. Anstatt die erneuernden Kräfte der Bewegung zu nutzen! Man müsse «die Autoren...
Martin Puttke, wir sitzen hier in der Intendanz des Staatsballetts Berlin, wo Sie kürzlich einen Workshop gegeben haben. Was haben Sie den Tänzern beigebracht? Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie wir die Klassiker lebendig bekommen. Wir sehen ja, dass Tänzer Schwierigkeiten haben, uns den Siegfried oder die Giselle als heutige Figuren glaubhaft zu machen....
