buch: schwanensee

Tanz - Logo

Wer kennt nicht «Schwanensee»? Auch wer das Ballett noch nie gesehen hat, verbindet mit dem Titel etwas: klassischen Tanz in Reinform, eine Metapher für Ballett an sich, ein Märchen für Kinder (auch wenn im Libretto gleich mehrere Märchen verarbeitet sind). Und jetzt gibt es «Schwanensee» als erotisches Bilderbuch: Astrid Martini hat die Geschichte vom Prinzen Siegfried, der sich in die unschuldige Odette verliebt und auf den Zauberer Rothbart und dessen Tochter Odile hereinfällt, neu ­ge­fasst. Klar, dass es am Hof des Prinzen gar wollüstig und zügellos zugeht.

Und am Ende, nachdem der Prinz Rothbarts Betrug erkannt hat, darf er sich mit dem reinen Schwan in süßes­ter Leidenschaft vereinen.

Die Triebhaftigkeit jener weit zurückliegenden Zeit, von der im «Schwanensee»-Libretto die Rede ist, sucht man indes in Sabine Schönbergers erotischen Aufnahmen vergebens. Unterkühlt, arg stilisiert, manchmal sehr an glatter Werbe­ästhetik entlang inszeniert sie Paare und Gruppen, lenkt sie das Auge des Betrach­ters penetrant auf leicht geöffnete Münder und sehn­süchtige Blicke. Das wirkt denn mehr schwülstig als prall sinnlich.

www.plaisirdamourbooks.com     

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August 2010
Rubrik: medien, Seite 82
von Klaus Kieser

Vergriffen
Weitere Beiträge
rolex: Trisha Brown

ist die diesjährige Auserwählte der «Rolex Mentor and Protégé Arts Initiative». Die Grande Dame des Postmodern Dance wird sich um den australischen Tänzer und Choreografen Lee Serle kümmern. Seit 2008 bewegt sich der 28-Jährige in der Szene seiner Heimat Melbourne, tanzte bei Lucy Guerin und Chunky Move. Nachdem er sich an zwei Stücken selbst versucht hat, wird ihm...

erfurt: Merce Cunnungham «nearly 90²»

Auch mit neunzig Jahren fand und erfand er ­immer noch Neues; «Nearly 90²» ist Merce Cunninghams Abschiedsgruß, mit dem der längst nicht universell geliebte Konzeptkönig des choreografischen Fluxus zum Mythos für alle werden könnte. Voraussetzung wäre, dass «Nearly 90²» so oft gespielt wird, dass auch jene, die Cunningham trocken, theoretisch und kalt finden, die...

worüber niemand spricht

Ein Tabu ist etwas, über das allgemeines Stillschweigen bewahrt wird. Aber nicht, weil es zum betreffenden Thema nichts zu sagen gäbe – im Gegenteil: All die im Kollektivbewusstsein angesammelten Klischeevorstellungen und Vorurteile machen aus der Thematisierung eines Tabus sehr schnell eine Angelegenheit, die je nach Standpunkt und Geschmack als willkommene...