Boris Charmatz
Man mag es kaum glauben. Das Dictionnaire de la danse von Larousse (1999) verzeichnet keinen Eintrag zu Boris Charmatz. Gäbe man es heute heraus, müsste er eine Seite füllen. Seine Kompanie, die Association Edna, hat sich gerade in zwei Abteilungen gespalten, eine für den Tourneebetrieb, eine für künstlerische Recherche und Pädagogik. Nur so kann sie ihr Pensum noch bewältigen.
Boris Charmatz kommt gerade von einer längeren Brasilientournee zurück, da geht es atemlos weiter. «Wir haben schon immer mehrere Stücke gleichzeitig getourt», sagt die freundliche Dame bei Edna.
Aber nun sind es gleich sechs. Es können auch nur mehr werden, denn Charmatz konserviert in seinem Körper die Tanzgeschichte sozusagen akkumulativ. Das heißt auch: Je älter eins seiner Stücke ist, umso lieber tanzt er es, fühlt sich freier gegenüber den Gesten, die er einst erfand. Die Distanz ist sein Metier. Das Alter ist ihm Reife, als wäre sein Tanzen edler Bordeauxwein, der mit den Jahren immer wertvoller wird.
Die Tanzwelt rief den jungen Aufrührer zum Philosophen des Tanzes bereits aus, als er eben erst seiner Tanzausbildung an der Pariser Opéra den Rücken kehrte. In dieser Saison wechselt er zwischen ...
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