böse maskentänze

Das neue Weltmuseum in Wien spürt der subversiven Kraft von Tanzmasken nach

Tanz - Logo

Der Mann betritt eine Apotheke. Sein Gesicht ist unter einer Strumpfmaske verborgen. Umstehende Kunden verlassen fluchtartig das Geschäft. Der Maskierte bleibt ruhig, sein Blick geht zur Videokamera, die über der Theke hängt. Der Verkäufer tut, was in solchen Fällen ratsam erscheint. Er beantwortet freundlich die Fragen des Kunden, der ein Päckchen Aspirin bezahlt und artig um eine Quittung bittet. Michikazu Matsune heißt der Räuber, der Bares gibt.

«Buydentity Unknown» nennt der im japanischen Kobe geborene Performer diese an Tankstellen, Zigarettenläden und anderen videoüberwachten Geschäften wiederholte Aktion. Matsune findet: «In einer Zeit des Unfair Trade ist zwischen Rauben und Kaufen fast kein Unterschied, oder?»

Derzeit hängen seine Porträts an einer Wand im Wiener Weltmuseum: der Künstler in Strumpfmaske. In Vitrinen sieht man die trotz Vermummungsverbot erworbenen Waren mit Quittung samt Beweisbild der Überwachungskamera. Zudem entdeckt man eine japanische Kagura-Maske, wie sie im Nô-Theater des 19. Jahrhunderts verwendet wurde. Sie stellt Ashirai, einen Possenreißer dar. Matsune fand sie im Depot der Wiener Völkerkunde-Sammlung. Sie erinnerte ihn an seine Großmutter: ...

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Tanz Juli 2013
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Arnd Wesemann

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