bern: Estefania Miranda: «Othello»
Als Tanzdirektorin bei Konzert Theater Bern und Nachfolgerin von Cathy Marston hat Estefania Miranda einen glanzvollen Start hingelegt. Die Chilenin erneuerte das Ensemble, führte frische Programmformate ein sowie eine internationale Tanzplattform zur Förderung von Nachwuchschoreografen. Zudem haben ihre Gastchoreografen reüssiert, sowohl Nanine Linnings «Zero» (tanz 3/2013) als auch Felix Landerers «Homo Faber» waren über alle Vorstellungen hinweg fast ausverkauft.
Acht Monate nach dem Start legte Miranda ihr Berner Debüt als Choreografin vor, mit «Othello» nach Shakespeare – allerdings nur zum Teil überzeugend.
Othello steht auf der Bühne wie auf einer Insel ausgesetzt, den Rücken dem Publikum zugewandt. Er wippt mit dem Oberkörper, so wie die Juden vor der Klagemauer. Aus den Lautsprechern tobt ein Sturm. Auf der Leinwand sieht man Meer und Menschen und ahnt Exodus. Es herrscht Krieg. Dass man ihn nur hört, macht ihn umso bedrohlicher. Gewehrsicherungen schnappen, ferne Schüsse fallen. Dazwischen diffuse Schreie von Unbekannten. «I am», sagt Othello (Winston Ricardo Arnon). In der Sinnlosigkeit des Krieges, den der Afrikaner erlebt hat, orientiert er sich nun an dem, was ihm ...
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Tanz Juni 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Marianne Mühlemann
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