berlin: dummy lab
Leilani Francos Beine stehen weit über ihrem Kopf. Der Fuß fuchtelt vor ihrem Gesicht wie eine störende Wespe. Natürlich kann so etwas nur eine klassische Kontorsionistin. Sie trifft auf Florian Zumkehr und Alexis Vigneault. Deren Körper flattern an einer Pole-Stange als «human flag» – nur mit einer Hand sich haltend. Aber niemand ruft «Ah» und «Oh». Wie ein Tier kann der Artist scheinbar nicht anders. Wie eine Marionette hängt er an Fäden.
So erhebt sich Laurence Racine, kanadische Flugakrobatin in Bungee Straps, nicht etwa zur Königin der Lüfte, sondern ist wie ein Insekt ins Netz einer Spinne verstrickt. Die hybride Form ist gewollt. Sie ist das Prinzip des Neuen Zirkus und Leitmotiv der nicht mehr ganz so neuen Allianz von Artistik und Tanz, die längst auch das Varieté erreicht hat.
Das Varieté, hier das Chamäleon in den Hackeschen Höfen in Berlin, lebt einzig von Einnahmen, Getränken, Speisen, entsprechend frühem Einlass und einer Pause. Man sitzt an Tischen mit Freunden und siehe: All das stört die Kunst nicht im Geringsten, zumal im beiläufigen Groove des Berliner Live-Musikers Reecode und der Cellistin Lih Qun Wong eine Atmosphäre entsteht, in der ein echter Klassiker der ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Arnd Wesemann
Es war mehr als nur ein Schwelen, als entrüstete Bürger in Rostock für ihren Theaterintendanten Sewan Latchinian auf die Straße gingen, weil dieser seinen «Arbeitsauftrag», wie es im Amtsdeutsch heißt, nicht erfüllen wollte. Latchinian wollte ein Ensemble in Gänze erhalten, die Politik befahl Spartenabbau. Zweihundert Kilometer südlich protestierten derweil Claus...
Ihr Tanz ist Arbeit, stemmt sich gegen Widerstände und fliegt spielerisch leicht davon. Antje Velsinger, die am K3-Zentrum für Choreografie in Hamburg zuletzt ihr Stück «Haus, kein Haus» zur Uraufführung brachte, erkundet den Tanz in allen erdenklichen Dimensionen. «Ich sehe Bewegung nie isoliert, der Körper steht immer in Relation zu etwas anderem.»
Die...
Der Stoff, aus dem die Träume sind? Am Ende der Vorstellung greifen die Tänzer und Tänzerinnen jedenfalls nach etwas, das sich einem Zugriff eigentlich entzieht. Und wenn ihre Anstrengung auch kein Ergebnis zeitigt, signalisiert das poetische Bild doch so etwas wie Hoffnung, bevor der Vorhang fällt.
Insofern rundet sich ein Ballett-abend, den Ralf Rossa nicht...
