Benjamin Millepieds «Casse-Noisette»
Endlich einmal ein Bühnenbildner, der Farbe bekennt. Auf Einladung der Tribune de Genève hat Paul Cox eine Ausgabe gestaltet, und pünktlich zur Ballettpremiere im Bâtiment des Forces Motrices vor anderthalb Jahren erschien das Blatt wie ausgewechselt: kein einziges Bild. Stattdessen Buntheit, wohin man blickt, und eine Zeitung, die ihren Spaß hat an seiner Fantasie. Was kann sich ein Theater Besseres wünschen? Mehr Werbung war nie, der Genfer «Nussknacker» seinerzeit Tagesgespräch – und jede Vorstellung ausverkauft.
Warum auch nicht? Schließlich lässt uns Cox auch in «Casse-Noisette» an seiner Kunst teilhaben. Während das Orchestre de Chambre de Genève unter der Leitung von Philippe Béran das Publikum auf den «Nussknacker» einstimmt, sieht es sich mit seinem Alter Ego konfrontiert, das sich später als Drosselmeier zu erkennen gibt. Unter einem grauen Zylinder verborgen, schreitet André Hamelin zur Tat. Er schlägt sein Buch auf, beginnt zu zeichnen – und setzt, projiziert auf den weißen Prospekt, die Spur eines einsamen Skifahrers in den Schnee. Am Ende der Ouvertüre am Ziel angekommen, öffnet sich der Raum zum Tanz und zeigt ein Haus, aufgeklappt wie eine Puppenstube ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Here we go again, Tanztheater. In Gregor Zölligs neuer Choreografie «Vier Jahrezeiten» tragen die Tänzer wieder mal Unterwäsche, legen ihre Gesichter in Blumenerde, oder kuscheln sich zu zweit in ikeabunt bezogene Decken (wohnst du noch, oder performst du schon?). Der Frühling ist voller Gefühle, der Sommer voller Hitze, der Herbst melancholisch und der Winter...
«Ich versuche, wie alle Philosophen, die Metaphysik zu vermeiden. Und ich merke, das Volk wird nervös, wenn es nicht bei Laune gehalten wird; es will, dass die Dinge einen Sinn ergeben. Himmelschreiende Berechnung!» Es spricht der König von Märchenland. Eine merkwürdige Majestät, beinahe eine Bühnenversion des Kleinen Königs aus dem TV-Sandmännchen. In seinem...
Der Choreograf des Centre chorégraphique national in Aix-en-Provence ist angeklagt, in vierzehn Jahren und 453 Aufführungen durchschnittlich 675 Euro pro Aufführung an Tantiemen für Interpreten hinterzogen zu haben. Zuzüglich Zinsen, Strafgebühren und Steuern ergibt das laut Spedidam schlappe 473 000 Euro, oder zehn Prozent des aktuellen Jahresbudgets. Wer ist hier...
