basel: Richard Wherlock: «Eugen onegin»
Kein Wort über Cranko. Im sonst so sorgfältig editierten Programmheft kommt der Klassiker nicht vor, mit dem der Erbe des Choreografen seit dessen Tode so viele Bühnen bestückt. Statt «Onegin» nennt Richard Wherlock seine Version des Versromans von Alexander Puschkin vorlagengetreu «Eugen Onegin», unterlegt ihr indes wie seinerzeit der Kollege in Stuttgart ausschließlich Kompositionen von Peter Tschaikowsky, wenngleich nicht im Arrangement von Kurt-Heinz Stolze, sondern bis auf eine Ausnahme durchweg im Original. Das hat einiges für sich.
Das Sinfonieorchester Basel fühlt sich unter der Leitung von David Garforth im musikalischen Ambiente hörbar wohl. Was man nicht unbedingt von den Tänzern sagen kann. Vor allem Jorge García Pérez erweckt in der Titelpartie lange Zeit den Eindruck, als habe es ihn ins falsche Stück verschlagen. Das schwarze Halstuch unterm weißen Hemd, das Gesicht dandyhaft geschminkt und mit künstlich geröteten Lippen, könnte man ihn gut und gerne für eine Einbildung Oscar Wildes halten. Dazu würde nicht bloß das Schriftbild gleich zu Anfang passen, das allenfalls englische Wörter erkennen lässt. Darauf deutet nicht zuletzt eine Szene wie die nach der Pause, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Hartmut Regitz
du bist ein Tänzer aus Mali. Die Vorurteile liegen auf der Hand. Du hast diese «besondere» Hautfarbe und eine für europäische Tänzerverhältnisse zu sportliche Physiognomie. Nun aber haben es alle aus den Nachrichten erfahren. Bei dir zu Hause herrscht Krieg. Jeder fragt dich besorgt: Stammst du aus dem Norden oder Süden von Mali? Auf einer zeitgenössischen Bühne...
«I love bouncing in the mist.» Das ist der schönste Satz einer Performance, in der es jede Menge schöner Sätze gibt. Nach der teilweise zum Brüllen komischen Trilogie über Unterhaltungsformate, «Entertainment Island» (2008 – 2011), nehmen sich drei Performer des finnischen Oblivia-Kollektivs mit «Museum of Postmodern Art 1» nun das postmoderne Theater vor....
Immer wieder dieser Satz: «Man muss Kunst und Politik trennen.» Omar Rajeh wird nicht müde, ihn zu wiederholen. «Ich vermeide es, über Politisches zu reden», sagt er und meint damit auch die explosive Lage in seiner Heimat, dem Libanon. Zu sensibel, zu kompliziert findet das ein Künstler, der sich in seinen Produktionen oft mit politischen Themen beschäftigt. Der...
