augsburg: Young Soon Hue: «Romeo und Julia»

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Heinz Spoerli fand es völlig unmöglich, Julia in Spitzenschuhen zu Bett zu schicken. Deshalb tanzte seine Julia im Schlafgemach barfuß. William Forsythe hätte wahrscheinlich eher einen Ehekrach Jahre nach der Hochzeit von Romeo und Julia projiziert. Die Koreanerin Young Soon Hue choreografiert nun «Romeo und Julia» fürs Augsburger Ballett. Ausgebildet in Monte Carlo, stand sie als Solistin auch bei Forsythe und Spoerli auf der Bühne. Inzwischen ist sie weltweit als Choreografin unterwegs und macht ihr eigenes Ding.

Ihre Julia schlüpft in Spitzenschuhen unter die Bettdecke, und Hue versucht sich erst gar nicht als radikale Neuerin, sondern vertraut auf die Zeitlosigkeit der Danse d’école. Aber sie hat ein Händchen dafür, das Ballettvokabular der Situation entsprechend mit sportiver, sehr energetischer Bodenarbeit zu durchsetzen – oder weichfließend damit zu arbeiten. Ihre Lesart des Stoffs spannt den Bogen vom elisabethanischen Drama zur «West Side Story». Ihr Verona könnte überall liegen, die verfeindeten Sippen der Capulets und Montagues könnten sich in der Bronx ebenso bekriegen wie in Neukölln.

So beginnt das Stück mit einem veritablen Coup. Die Gangs treffen in einem ...

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Tanz Januar 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Eva-Elisabeth Fischer

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