arktisches Treiben
«Ice Dream» heißt Daniel Larrieus Videoinstallation. Sie bringt ganze Schulklassen zum Tanzen: «Stellt euch vor, jetzt steht ihr auf der Scholle und treibt im Meer …» Vorher saßen die Kids gebannt vor den Leinwänden. Im Film schwankt die Eisscholle, von Wogen geschaukelt, von Treibeis umströmt. Auf ihr steht ein einsamer vollbärtiger Zweibeiner, in weißem Pullover, ohne Handschuhe. Stilsicher führt er vor, was sich in Westeuropa in den letzten Jahrzehnten an Standardvokabular im Tanz entwickelt hat. Konzentriert beugt er den Rumpf, langsam rotieren seine Arme.
Das einzige Publikum sind der Kameramann, ein Fotograf und eine Handvoll Helfer. Die Scholle treibt auf die Küste zu. Was passiert, sollte sie an der Felswand zerschellen? «Ihr braucht euch keine Angst um mich zu machen, ich bin ja zurück», sagt Larrieu. Ja, es war gefährlich, direkt vor Grönland diesen Eistanz aufzuführen. «Man weiß nie im Voraus, wie der Boden einer Scholle beschaffen ist. Wie kann man sich dort bewegen? Wie kann man es filmen?»
Der Ausflug ins Ungewisse war sein «Ice Dream». Ein wahr gewordener Traum, weil der Klimawandel zum Albtraum wird. «Statt lange über die Risiken nachzudenken, habe ich es einfach ...
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Tanz Januar 2011
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Thomas Hahn
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