amsterdam on tour
Die Anfänge seiner Choreografien schiebt Jefta van Dinther gern lang sam aus einem Nullpunkt heraus: aus der Reglosigkeit, wie einst bei «It’s in the air» (2009), dem Duett des Schweden mit Mette Ingvartsen. Oder aus der Ununterscheidbarkeit der Performer vom streunenden Publikum bei «The way things go» (2011); und diesmal aus völliger Dunkelheit und Stille. Ein Wispern wird erkennbar, am Rand der Bühne von PACT Zollverein in Essen erscheint eine krumme Gestalt. Sie steht auf Plateausohlen wie ein antiker Tragöde, trägt kniekurze Hosen und macht ein tumbes Gesicht.
Der Bursche scheint etwas zu suchen oder auch nicht, wirkt ziellos. Unheimlich glitzern seine schwarzen Augen ohne Weiß. Er will verführen. Er spricht. Die wohltönende Stimme kommt von überall und nur scheinbar aus seinem Mund. «Give yourself. Kill yourself. Cure your soul. Kill your soul». Pausenlos dreisilbige Phrasen; er mampft Sprache, Anapäst als Pasta. «Gür jusel, ju jusel, mi jursaa», «me yourself», bis er fast singt. «Amü your soul» meint man später zu verstehen, bis zu: «I’m here to sell». Ein großartiger Anfang. «As It Empties Out» ist Theaterbeschwörung und Gespenstererweckung.
Lüpft der Vorsänger den grauen ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender, Seite 50
von Melanie Suchy
Ein aufrechter, dunkler Strich mit leuchtend blauen Augen bewegt sich lässig im Zwielicht des Cafés in Israels größtem Tanzzentrum auf seine Gesprächspartnerin zu, entblößt lächelnd weißblitzende Zahnreihen. Ohad Naharin begegnet den Menschen längst schon herzlich und zugewandt, hat sein einstmals ziemlich arrogantes Auftreten mit den Jahren der Reife völlig...
Wenn ich mir auch nicht so ganz sicher bin, was mich choreografisch mit Anna Halprin verbindet, so hat die Begegnung mit ihr und die Beschäftigung mit ihrer Arbeit mir auf
alle Fälle Lebenswahrheiten gespiegelt und vermittelt – die zwar irgendwie bekannt sind, mich aber trotzdem zu echtem Nachdenken, vielleicht gar Umdenken angeregt haben.
Beispielsweise habe ich...
Ein Blick zurück. Mitte der 1970er-Jahre entstand aus den Überresten einer Ballettschule in Düsseldorf die «Werkstatt für Tanz, Theater, Werken und Gestalten e. V». Wir verordneten uns ein Programm in voller Bandbreite: Modern und Jazz Dance, Tango, Tanztheater, Afrikanischer Tanz. Wir organisierten erste Festivals mit Busby Berkeley, Mitsutaka Ishii, Dollar Brand,...
