Altenburg: «Eine infernalische Reise/Letzte Lieder»
Die «Dante-Sinfonie» ist für die Bühnen der Stadt Gera eine Nummer zu groß. Jedenfalls, was den Orchestergraben betrifft; die Harfen müssen für die Zeit der Aufführung mit den beiden Proszeniumslogen vorliebnehmen. Ansonsten ist das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera allerdings ganz da, und Generalmusikdirektor Laurent Wagner schöpft mit hörbarem Erfolg aus dem Vollen.
Düster dagegen die Bühne von Andreas Auerbach: ein «schwarzes Loch», in dem alles Lebendige zu verschwinden droht.
Ein Einziger scheint sich dem Sog zu widersetzen: Dante Alighieri, Dichter jener «Divina Commedia», die Franz Liszt 1855/56 in Töne setzte. Erst als ihn die «toten Seelen» seiner typischen Physiognomie berauben und ihn zwei Sätze lang gleichsam als einen der Ihren betrachten, kann er das «Inferno» und das «Purgatorio» sozusagen am eigenen Leib erleben.
Silvana Schröder bebildert die «Göttliche Komödie» nicht, wie das beispielsweise ein Botticelli oder Gustave Doré getan haben. Das hätte leicht banal geraten können. Vielmehr bleiben die Visionen der Ballettdirektorin bei aller Virtuosität abstrakt und lassen die Nahtod-Erfahrungen Dantes eher als kollektives Schicksal spüren, aus dessen Mitte sich ...
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Tanz März 2018
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Hartmut Regitz
«Am 9. September des Jahres 1825 verschied Johannes Elias Alder, unehelicher Sohn des Kuraten Elias Benzer und der Agathe Alder, genannt Seffin.» Der Tänzer Lorian Mader liegt als toter Johannes Elias Alder auf dem «wasserverschliffenen Stein». Gestorben ist er an Schlafentzug, begraben unter Blättern mit Noten, die das verhinderte Musikgenie nie zu lesen gelernt...
«Ein großer Augenblick des Theaters» lautete 1971 das Fazit von Klaus Geitel – «nicht allein des Balletts». «Was ist geschehen? Was geschieht überhaupt?», das fragt nicht nur er sich zu Anfang einer Kritik, die seinerzeit noch dreispaltig in der Tageszeitung «Die Welt» hat erscheinen können. Seine Antwort: «Eine Phantasmagorie des Grauens, der Verfolgung, der Qual,...
Balletteleven mögen zwar Spagat und Entrechat beherrschen, aber ihre Psyche ist längst nicht so beweglich wie der Körper. Denn je länger junge Tänzerinnen und Tänzer an der Stange üben und ihre motorischen Fähigkeiten perfektionieren, umso rigider wird ihre Psyche. Wer Musik studiert, lebt jedenfalls viel lockerer.
So lautet das Ergebnis einer Studie...
