AIDS

Reden über Aids. Es war der Versuch, ein Tabu zu brechen, denn gerade der Tanz tut sich schwer damit. Zu tief sitzt der Schmerz, stellte Thomas Hahn fest, als die Szene sich bei Montpellier Danse zur posttraumatischen Aussprache traf.

Tanz - Logo

Es ist ruhig geworden in Westeuropa um der Künstler größten Feind aus den 1980ern. Aids. Eine Debatte um das Virus und seine Folgen findet kaum noch statt. Die Stille deutet darauf hin, dass sich grundsätzlich in unserem Verhältnis zur Immunschwäche  wenig verändert hat. Das Schweigen im Wald mag mit dem kommerziellen Umgang mit Sexualität zu tun haben. Vor vierzig Jahren wurde sie entdeckt als Weg zur Selbstverwirklichung. Inzwischen findet sie hauptsächlich als Instrument der Selbstdarstellung Verwendung. Aus scheinbarer Offenheit wurde kommerzielle Oberfläche.

Im Zug dieser gescheiterten Befreiung wurde die Chance zur Auseinandersetzung mit Aids verpasst. Das hat eine innere Logik, denn gerade Aids führte zur erneuten Verdrängung des Intimen, das sich gerade anschickte, das Schattenreich des Verdrängten zu verlassen. So mag es sich bei der Verdinglichung der Intimität um eine Auswirkung auch von Aids handeln.

Im Verwirrspiel zwischen Ursache und Wirkung scheint es zu früh zu sein, das Syndrom selbst aufzuarbeiten. Dessen Auswirkungen auf die Kunst aber werden analysierbar. Die Rauchwolken haben sich verzogen, und es wird klar, dass explizite Aids-Kunst ein vorübergehendes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2007
Rubrik: Körper, Seite 56
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Brief aus Kabul

Natürlich gibt es keinen Tanz in Afghanistan. «Der Islam. Das müssen Sie verstehen», sagt Mohammad Azim Hussainzadah, Leiter der Theaterabteilung an der Kabul Universität. «Gibt es eine Stelle im Koran, die den Tanz verbietet?» «Nein», sagt der  Mitausrichter des 4. Afghanischen Theaterfestivals, gemeinsam mit dem Goethe-Institut Kabul stolzer Zusammenführer aller...

«12» und mehr von VA Wölfl

Jüngst schickte William Forsythe seine Zuschauer im Gänsemarsch durch einen Nebeneingang ins Bockenheimer Depot in Frankfurt. Wölfl schleust einen Teil seines Publikums durch das hintere Abteil einer Stretchlimousine, wo ein schlafender Nackter und zwei anscheinend kriminelle Hallodris auf Besucher warten, damit sie ihre Plätze im Marstall von Schloss Benrath...

Duda Paiva

Duda Paiva trained as a modern dancer and actor in Brazil, India and Japan (butoh) before arriving in the Netherlands in 1996, where he settled. He has worked on many dance projects and movies with choreographers such as Paul Selwyn Norton, Itzik Galili, Ron Bunzl, Karin Post and with dance companies such as RAZ and Piet Rogie & Company. His research blending dance...