Abschied: Yoshito Ohno
Der ewige Sohn im Schatten Kazuo Ohnos ist tot. Er erlag einer Blutvergiftung. Der 81-jährige Sachwalter des Archivs zum japanischen Butoh, das sich zwischen dem Familienpiano und einem Gaskocher befand, auf dem das Teewasser für Tänzer und Besucher auf die richtige Temperatur gebracht wurde, er hätte eigentlich der Berühmtere aus der berühmten Ohno-Familie werden können. Mit 21 Jahren interpretierte Yoshito Ohno das homosexuell geprägte Solo «Kinjiki» («Verbotene Farben») von Tatsumi Hijikata, Großmeister der japanischen Avantgarde.
Mit diesem Stück nach einer Novelle von Yukio Mishima wurde 1959 die Kunst des Butoh begründet. Yoshito Ohno schien damals ein Huhn bei lebendigem Leib zwischen seinen Schenkeln zu ersticken. Prompt folgte der Rauswurf aus der «All Japan Art Dance Association». Den Eklat hatte allerdings nicht er zu verantworten, sondern sein 2010 im biblischen Alter von 103 Jahren verstorbener Vater. Der war es auch, der das Tanzstudio der beiden in einem Vorort von Yokohama eigenhändig aus Abriss-Material erbaute. Sein Sohn machte daraus einen Wallfahrtsort für die internationale Butoh-Gemeinde. Als ewiger Partner und, weniger bekannt, auch als Regisseur seines ...
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Tanz Februar 2020
Rubrik: Side Step, Seite 28
von Arnd Wesemann
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