essen: stijn celis «undine»
Undine sehen heißt: Undine begehren – so will es der Mythos. Die Wassernymphe sei die Verführung schlechthin, weltfremd und wehrlos, schön und scheu. Beim Essener Aalto Ballett Theater trägt Undine Sonnenbrille und einen Hauch von Satin auf dem schneeweißen Körper. Ihre Arme schlagen Wellen, sie betupft sich die Achselhöhlen, trippelt glücksverzückt auf Spitze und stellt immer wieder ihr blankes Bein demonstrativ nach vorn aus, als wollte sie zeigen: nix Nixe, sondern ein schön geformtes Frauengliedmaß.
Die Undine der Essener Solistin Yoo-Jin Jang ist so hübsch, ihr Tanz darum auch nicht gerade eine todbringende Betörung. Trotzdem verfällt ihm plotgemäß der treulose Palemon. Marat Ourtaev führt ihn als tragikverliebten Softie vor, der gern die Hand grüblerisch an die Stirn presst und seine Verlobte Beatrice trotz spillrig-zartem Leib widerwillig in die Luft stemmt – mehr Last als Lust. Nur bei der erfrischenden Meerfrau vergisst er die Verlobte.
Ein duftig-verträumtes Spitzenschuh-Geschöpf war schon die Ur-Undine – eine Glanzrolle Margot Fonteyns. Damals hatte Frederick Ashton dem jungen, noch recht unbekannten Komponisten Hans Werner Henze quasi den Takt diktiert: Ashton ...
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Tanz Januar 2011
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Nicole Strecker
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