julia und romeo
So sieht der Nachtmahr eines Theaterdirektors aus: Hunderte von Schülern zwischen 6 und 16 Jahren im Zuschauerraum, dazwischen ein paar Lehrer, Erzieher, Väter und Mütter – und dann streikt, unmittelbar nach Vorstellungsbeginn, die Technik.
Was wird passieren, nachdem der Inspizient um fünf Minuten Pause gebeten hat, damit der Tanzteppich wieder geflickt und vernünftig befestigt werden kann? Wird der Saal im Tumult versinken, ja lässt sich so ein Malheur überhaupt einfangen, wo doch an diesem Vormittag die multitaskende Generation ADHS das Parkett der Königlichen Oper zu Stockholm dominiert?
Erst wird es mit jeder Sekunde etwas lauter, Dirigent Alexander Polianichko dreht sich um, legt den Finger auf die Lippen, wirft eine Kusshand ins Rund. Das reicht immerhin für die Viertelstunde, bis der Vorhang sich zum zweiten Mal hebt. Und dann – bleibt es fast zwei Stunden lang still. Vollkommen still. So still, dass noch die zartesten Vibrationen der Bühne sich wie Ätherbänder durch die Reihen schlängeln. So still, dass jedes Räuspern, Rascheln, Flüstern, Kichern den Bann bräche, den Mats Ek über das Publikum legt. Es ist die Intensität seines Erzählens und das Erzählte selbst, das den ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Dorion Weickmann
Das müsste doch alle Politiker unseres Landes erfreuen: Der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik, der Deutsche Tonkünstlerverband, der Deutsche Bühnenverein – vertreten durch seinen Geschäftsführenden Direktor Rolf Bolwin, der zugleich Vorsitzender des Beirats der Künstlersozialkasse (KSK) ist –, fordern von der Deutschen Rentenversicherung, sie möchte...
Macht es einer, machen es alle anderen auch. Wenn einer einen coolen Move entdeckt, probiert ihn die ganze Gruppe. Hip-Hop ist – wie alle Szenen – eine Kultur des Kopierens und Klauens, während er doch gleichzeitig den Anspruch erhebt, authentisch und «real» zu sein. Bruno Beltrão, Choreograf aus Brasilien, der bevorzugt die Gepflogenheiten seiner eigenen Szene...
Auf einem unscharfen Foto tappt ein Cursor herum. Dieser Pfeil zieht seine Linie auf einer pixeligen Mauer entlang. Als das Bild scharf wird, fallen schief liegende, monströs hässliche Betonteile ins Auge. Der Cursor, wie ein Füßchen, setzt Markierungen an die Ecken des kaputten Gebildes, sodass ein Umriss darübergezeichnet wird. Nun endlich kann der Himmel...
