Das ich als Tänzer: Maurice Béjart
«Madame Bovary – das bin ich», sagte Flaubert. Könnte auch Maurice Béjart sagen. Wer immer in seinem Werk auftaucht, ist auch Maurice Béjart. In vielen seiner Ballette inszeniert er sich sogar unverblümt als Ich. Schon in «Gaîté parisienne» (1978) tritt er in Gestalt des jungen Bim auf, der sich nach Paris aufgemacht hat, um dort seine Ausbildung als Tänzer zu erhalten. Ab 1985 nähren nur noch Erinnerungen seine Werke. Nach den herausragenden Portraits von Malraux, Molière, Mozart und Mishima – tritt sein eigenes Bild auf.
«Igor et moi» (1994) zeigt Béjart in zwei Begegnungen mit Strawinsky. Der interveniert bei einer Probenaufnahme. Der Komponist nimmt eine Passage wieder auf, verfeinert seinen Gedanken, korrigiert. Und der Choreograf zeigt einen Schritt, präzisiert die «Schläge», unterstreicht einen Akzent.
Im folgenden Jahr die zweite Ausgabe dieses «Journal»: «Charles et Richard». Charles wie Baudelaire und Richard wie Wagner, sein erklärter Lieblingskomponist – Béjart spricht nur von ihm. Wenn Gil Roman nach «Mathilde!» ruft, drückt sich stets Béjart aus. Gil Roman ist sein jugendliches Double. Mathilde ist Mathilde Wesendonck, Wagners Muse, und zugleich die Zentralfigur ...
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Party talk stays always the same», schrieb die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein. Sie hat Recht. Übers Wetter redet man schon immer, wenn man Wichtigeres nicht sagen möchte. Und gern über Abwesende, wobei gilt: Der oder die Abwesende ist nicht persönlich gemeint; man unterhält sich über Pina Bausch nur (S. 26) um auszuloten, was man gemeinsam denkt....
«Jeder Fotograf macht Portraits und jeder Maler. Nur auf der Bühne gibt es sie nicht. Warum?», fragt Michael Laub, dessen unnachahmlich sanft kratzende Stimme klingt, als dulde sie keinen Widerspruch des selbst gestellten Rätsels: «Die einzige Antwort, die ich bisher gefunden habe: Man kann ein Portrait nicht proben. Man kann es nur herstellen.»
Natürlich gibt es...
Oben oder unten? Im All oder im gemauerten Gewölbe? Sind es Aliens auf Drogen oder verstörte Kellerkinder, die da entrückt durch den Raum gleiten und ins Leere starren? Nichts von allem. Wir blicken ins Universum der Phantasmagorie, visualisieren Hirngespinste, die das Unbewusste im Traum auf die Reise schickt. Der junge Folkwang-Absolvent Ben J. Riepe hat sie in...
