Bielefeld: Simone Sandroni «Romeo und Julia»
Das Beste kommt mitunter zum Schluss – so auch bei Simone Sandronis «Romeo und Julia». Von Verzweiflung getrieben, jagt Noriko Nishidate über die Bühne, auf die sich minutenlang strömender Regen ergossen hat. Wie besessen durchpflügt die Tänzerin die riesige Wasserlache, vollführt waghalsige Sprünge und Drehungen auf dem rutschigen Untergrund, bis sie schließlich völlig durchnässt zusammenbricht. Doch es ist nicht Julia, die hier den Verlust ihres Geliebten betrauert, sondern die Amme, die so mitreißend wie erschütternd das tragische Schicksal des jungen Liebespaares beklagt.
Sandroni hat sich zu Beginn der neuen Saison an Shakespeares Tragödie gewagt und für sein zehnköpfiges Ensemble eine zeitlich und inhaltlich stark eingedampfte Version sehr frei umgesetzt. Wie sein Vorgänger Gregor Zöllig entwickelt der Bielefelder Tanzchef alle Arbeiten gemeinsam mit den Tänzern, die ihre eigenen Erfahrungen und Charaktere einfließen lassen. Das Resultat ist eine überraschend gut eingespielte Einheit, zumal wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Kompanie erst seit dieser Spielzeit mittanzt. Gleichwohl wirkt das Stück etwas unentschlossen.
Manchmal gibt es deutliche Anspielungen auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Kirsten Pötzke
Screening: Fred Astaire, Poet der tanzenden Füße
Man hat Fred Astaire in Romanen verewigt. In einem seiner schönsten Filme setzte ihm Federico Fellini ein Denkmal, und in der Fantasie von Jean-Christophe Maillot verkörperte er sich wieder in «Choré». Ob ihm Literatur, Film und Ballett immer gerecht geworden sind, lässt sich nicht so einfach beantworten. Deshalb...
Große Sprünge sind auch künftig eher auf der Bühne möglich. Aber dank veränderter Arbeitsbedingungen haben sich für Tänzer und Tänzerinnen immerhin die Ausgangspositionen deutlich verbessert. So erhalten ab 1. April 2018 zumindest Solisten an Staats- und Stadttheatern sowie an Landesbühnen nach dem Tarifvertrag NV Bühne eine neue Mindestgage von 2000 Euro: Das ist...
Was für ein Name, was für ein Tänzer: Calvin Royal III, 29 Jahre alt, ist so groß, elastisch und elegant wie ein olympischer Sprinter. Zugleich besitzt er eine vornehm aristokratische Attitüde, die ihn zum Danseur noble adelt – obwohl seine Erscheinung den Rahmen der Tradition unübersehbar sprengt. Calvin Royal III, seit 2011 Mitglied des American Ballet Theatre...
