Hannover: Jörg Mannes «Henry VIII»
Der junge Henry Tudor ist ein Bild von einem Mann – groß, sportlich, dazu noch gebildet und künstlerisch ambitioniert. Er ist noch keine 18 Jahre alt, als er zum englischen König gekrönt und damit zu Heinrich VIII. wird. Wie Macht und Machtmissbrauch aus dem jungen, strahlenden Hoffnungsträger einen 160 Kilo schweren, mörderischen Tyrannen machen, zeigt Jörg Mannes in seiner Neuschöpfung «Henry VIII». Denis Piza tanzt die Titelrolle, aber weil die Figur ein so komplexes Innenleben hat, stellt der Choreograf ihr einen gewissen «H» an die Seite.
Manchmal im Einklang mit Henry, manchmal im Widerspruch zu ihm, wird dieser «H» mitunter sehr akrobatisch getanzt von Orazio Di Bella.
Mit Macht hat auch der immense Frauenverschleiß zu tun, mit dem der Herrscher in die Geschichte eingehen wird. Und doch ist jede Beziehung anders, wie Mannes wunderbar herausarbeitet. Die erste, arrangierte Hochzeit mit Katharina von Aragon zeigt einen selbstbewussten und kraftstrotzenden König, dessen Brautwerbung allerdings eher höfisch-verhalten als emotional ausfällt. Der eheliche Vollzug ist in erster Linie dem Fortbestand des Hauses Tudor geschuldet, der Akt wird sportlich auf einem riesigen Holzbrett ...
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Tanz Juni 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Kirsten Pötzke
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